Von Spam, der gar keiner ist

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Wie man legal «spammt»
Letztes Jahr hatte ich ein Aha-Erlebnis, das mir aufzeigte, dass man ganz legal und subtil «gespammt» werden kann. Als überlegter, aber doch intensiver Nutzer zahlreicher sozialer Medien, habe ich natürlich auch ein Profil bei XING. Das Schöne an diesem sozialen (Berufs-)Netzwerk ist, dass ich sehe, wer mein Profil besucht hat. Vielleicht ist Ihnen, sollten Sie ein XING-Profil haben, auch schon einmal aufgefallen, dass auffallend viele Besucher ihres Profils sich mit exotischen Untertiteln schmücken. Dort, wo bei mir ein Bildungstitel erscheint und bei Ihnen vielleicht die arbeitgebende Unternehmung aufgeführt ist, erscheint bei Profilbesuchern bspw. «Mehr Erfolg im Leben innert 24 Stunden». Oder «Werden Sie Millionär mit neuen Affiliate-Systemen». Es könnte aber auch «Entspannung mit System» oder «100’000 Profilbesucher in 2 Wochen» heissen.

Solch reisserische Titel holen mich in der Regel nicht hinter dem Ofen hervor. Und trotzdem versuchte ich einmal, mehr über eine Person zu erfahren, die mein Profil besuchte. Und schon war ich in der Falle!

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Sehr geehrter Herr Müller

Ich habe eben gesehen, dass Sie mein Profil besucht haben. Ich danke Ihnen dafür. Gerne stelle ich Ihnen meine Dienstleistungen und mein Seminar «Reich in 2 Stunden» vor. Am liebsten persönlich. Wann hätten Sie dafür Zeit? Aber wollen wir uns nicht elektronisch vernetzen? Wir kennen uns ja jetzt schon mal «schriftlich».

Freundliche Grüsse

Ihr Hans Muster

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So ähnlich las es sich damals. Ich brauchte ein paar Momente, bis ich realisierte, was da eben geschehen war. Aktiv angehen darf mich dieser erwähnte Herr Muster auf XING nicht. Sonst wird er von mir gemeldet und gesperrt. Aber ich habe ja sein Profil besucht… und schon hatte er mich. Clever, diese Vorgehensweise. Und wenn ich mich noch mit ihm vernetzt hätte, dann wäre das sozusagen die Legitimation für ihn gewesen, mich mit seinen Angeboten zu überhäufen.

Ähnliches passiert auf Twitter
Die Faustregel heisst hier «If you follow me, then I will follow you». Und im Handumdrehen hat man 8’357 Follower. Oder so ähnlich. Eine Zahl, die auf den ersten Blick imposant anmutet. Nur, wenn man sich die Qualität der Follower anschaut, dann hat sich der Traum vom Marketing-Instrument Twitter meist rasch ausgeträumt. Der Hotdog-Verkäufer in Alaska, der tweetende Elektronikhändler aus Sizilien oder der Bäckersgeselle aus Turkmenistan werden wohl keinen einzigen ihrer Tweets je lesen.

Nun fragt man sich, wie man rasch zu vielen Followern kommt und selbst möglichst wenigen Tweetern zu folgen hat? Ganz einfach… man klickt bei 500 mehr oder weniger zufällig ausgewählten Tweetern auf «Follow». Ich garantiere Ihnen, dass weit über 100 den eigenen Account zurückverfolgen werden. Und sobald man die Follower hat, klickt man bei selbigen wieder auf «Unfollow». So einfach ist das. Zum Glück gibt es wertvolle und kostenlose Tools wie «Who.Unfollowed.Me» im Web. Diese helfen mit, aufzuzeigen, wer die beschriebene Strategie verfolgt.

Die nachhaltige Lösung
Oder man lässt sich auf einen Entwicklungsprozess im eigenen Unternehmen ein. Damit die Kraft und die Möglichkeiten sozialer und elektronischer Medien voll ausgenützt werden können. Womöglich mit den bestehenden personellen und finanziellen Ressourcen. Aber das benötigt eine intensive Reflektionsphase. Und einen Veränderungsprozess in der eigenen Kommunikationspolitik. Lohnend ist es alleweil, wenn Sie eine professionelle Einbindung sozialer Medien in ihre Unternehmensprozesse prüfen.

Ich möchte es an dieser Stelle nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, dass sämtliche «XING-Slogans» frei erfunden sind. Sollte ein Slogan einem bestehenden ähnlich sein, dann ist dies reiner Zufall und völlig unbeabsichtigt. Natürlich ist der im Beispiel aufgeführte Hans Muster ein ebensolches… ein Muster. Und damit ebenfalls frei erfunden! Wer kreative Ideen hat, wie man mit solchem «Spam» umgeht, ist gleich nachfolgend herzlich auf einen Dialog eingeladen! Natürlich meine ich mit «damit umgehen» nicht bloss ignorieren… nein… wie kann aktiv gegen legalen, aber ärgerlichen Spam angegangen werden?

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Soziale kontra reale Netzwerke

Meine hier gemachten Überlegungen knüpfen sehr stark an einen Artikel aus der aktuellen Ausgabe GDI-Impuls mit dem Titel «The Mensch Is The Message» an. Furchtbare Vermischung von englisch und deutsch. Aber der Kern der Aussage stimmt natürlich. Die Headline zur Ausgabe lautet: (ich zitiere wörtlich: Der Kult um die sozialen Netzwerke ist ungebrochen. Aber so wichtig das Digitale auch sein kann: Analog entscheidet!)

Stimmt doch genau! Wohlverstanden, ich bin intensiver Nutzer und Verfechter von sozialen Medien. Und nicht bloss einem Kanal zugetan. Richtig vorbildlich nutze ich bspw. XING für geschäftliche Kontakte und facebook für private «Freundschaften». Ich bin nicht einmal unglücklich darüber, dass ich die überwiegende Anzahl an facebook-Freunden auch im wirklichen Leben zu meinen Bekannten und Freunden zählen darf. Wirkliche Freunde eben. In diesem Zusammenhang kommt mir eine lustige Geschichte in den Sinn, zu der ich letzten Sommer in einem anderen Blog einen Post ablieferte (lohnt sich auch, diesen zu lesen…).

Nun aber gleich wieder zurück. Das GDI (Gottlieb Duttweiler Institut) sagt in der einführenden Headline zum Magazin: Analog entscheidet! Und nicht digital! Und nun Hand aufs Herz. Wie viele Geschäfte haben Sie in XING schon gemacht? Nur dank Ihrer schieren Präsenz? Weil dort jemand auf Sie gestossen ist und Ihnen gleich einen Auftrag zukommen liess? Natürlich… die Ausnahme bestätigt die Regel! Aber das Vertrauen zu einem Menschen kann man bloss real aufbauen. Kommunizieren und eine Beziehung pflegen, das funktioniert letztlich hervorragend über elektronische und soziale Netzwerke. Aber eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen, geht nur über reale Treffen.

So gesehen, vertraue ich ein weiteres Mal auf ein Prinzip der Physik. Ein Prinzip, das bis jetzt noch jedes Mal funktionierte. «Actio – Reactio». Eine Aktion löst immer eine Gegenreaktion aus. Bis wieder alles im Gleichgewicht ist. Je heftiger eine Bewegung ist, desto heftiger wird die Gegenbewegung. Früher oder später.

Der langen Rede, kurzer Sinn: Soziale Netzwerke im Unternehmensalltag? Unbedingt! Keine Frage! Aber neben dem Kult und Hype um die elektronischen Medien, bitte die realen Kontakte nicht vergessen! Geschäftsabschlüsse werden (ausser im maschinellen Handel an der Börse) noch immer meist von realen Personen gemacht.

>> Aktuelle Ausgabe GDI-Impuls
>> Website Gottlieb Duttweiler Institut

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