Verantwortung in den sozialen Medien

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Überlegt Bilder auf facebook oder ähnliche soziale Medien laden
Ich würde mich als Digital Native bezeichnen. Wenn dies mein Alter zulassen würde. Von der offiziellen Definition her älter, sollte ich mich wohl eher als heavy using «Digital Immigrant» bezeichnen. Vielleicht ist dies der Grund, wieso ich mir immer wieder gut überlege, was ich poste und was ich eben sein lasse. Was für mich definitiv ein «No Go» ist, sind die eigenen (Klein-)Kinder und Babies abzulichten, um dann die Bilder mit stolzer Elternfreude zu posten. Was ich da schon alles gesehen habe…

Ich will nicht einmal auf das Pädophilen-Problem eingehen, das gehört nicht zwingend in einen Unternehmensentwicklungs-Blog. Aber was geschieht mit den Bildern in 14 oder 15 Jahren? Wenn die Kleinen nicht gar mehr so klein sind? Wenn sie eine eigene Meinung haben? Eine Lehrstelle suchen? Ist es dann förderlich, als junger Erwachsener nicht zu wissen, ob draussen in der Welt auf irgendeiner Festplatte noch Kinderfotos von einem gespeichert sind? Klar hebe ich den Mahnfinger und oute mich damit vielleicht als veralteter und uncool denkender Zeitgenosse. Nichtsdestotrotz… ich habe mir die Mühe gemacht, ein wenig zu recherchieren, ob es Gesetze gibt, welche die Kleinen im Internet schützen. Ich habe mich bei Unicef gemeldet. Zahllose Anfragen bei Suchmaschinen gestartet und viele Websites durchforstet. Nichts!

Von Unicef bekam ich zwar rasch eine sehr kompetente Antwort. Doch letztlich konnte mir auch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen keine Antworten auf meine Kernfrage geben. Zwar gibt es eine Publikation zum Thema «Child Safety Online». Diese geht jedoch mehr darauf ein, wie Kinder im Web vor ungewollten Einflüssen von Drittpersonen geschützt werden können. Ich interpretiere aus meinen Recherchen, dass es letztlich von den Erziehungsverantwortlichen, welche die Vertretungspflicht für die Kinder haben, abhängt, was und wie viel sie von den eigenen Kindern in soziale Medien stellen wollen. Das ist in der gläsernen Gesellschaft von heute nicht wenig verlangt!

Wie sieht es in der Wirtschaft mit dieser Verantwortung aus?
Das führt mich nun zur Frage, wie die Situation im Unternehmen aussieht. Gibt es in Firmen eine Art Compliance für soziale Medien? Wer was in welche Kanäle stellen darf und soll? Schnell ist ein Dokument, das nicht für alle Augen erstellt wurde, in facebook gepostet. Rasch ist ein Tweet mit einem vertraulichen Inhalt in das World Wide Web entlassen. Gerade dieser Tweet wird vielleicht irgendwo in einem Monitoring erfasst und gespeichert. Da nützt es auch nichts mehr, wenn man diesen Tweet aus dem eigenen System wieder löscht. Oder wie machen dies mittelständische Unternehmen, die keine expliziten Social Media-Verantwortlichen haben? Basiert dieses Zusammenspiel auf Vertrauen?

Wie machen Sie als Manager oder Unternehmer dies?
Ich bin dankbar, wenn Sie mir ihre Verhaltensregeln mitteilen. Gerne verfasse ich aus den Beiträgen – im Sinne der «Open Community» – ein White Paper, das ich allen Personen zur Verfügung stelle, welche sich am Content beteiligt haben. Natürlich anonymisiere ich Ihre Beiträge komplett!

Ich danke herzlich für die Beiträge. Entweder als Kommentar. Oder als E-Mail auf info@soulworxx.ch.

Zum Abschluss, ein wunderbarer Satz aus einem englisch geschriebenen Blog zum Thema «Think Twice Before You Blog»: «The postman only used to ring twice.  Words that have been sent into cyberspace will ring forever». Sinnbildlich übersetzt also: «Nur der Postbote klingelte früher zweimal. Wörter und Sätze, die in den Cyberspace gesandt wurden klingeln ewig»!

>> Website Comply Socially

Von Spam, der gar keiner ist

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Wie man legal «spammt»
Letztes Jahr hatte ich ein Aha-Erlebnis, das mir aufzeigte, dass man ganz legal und subtil «gespammt» werden kann. Als überlegter, aber doch intensiver Nutzer zahlreicher sozialer Medien, habe ich natürlich auch ein Profil bei XING. Das Schöne an diesem sozialen (Berufs-)Netzwerk ist, dass ich sehe, wer mein Profil besucht hat. Vielleicht ist Ihnen, sollten Sie ein XING-Profil haben, auch schon einmal aufgefallen, dass auffallend viele Besucher ihres Profils sich mit exotischen Untertiteln schmücken. Dort, wo bei mir ein Bildungstitel erscheint und bei Ihnen vielleicht die arbeitgebende Unternehmung aufgeführt ist, erscheint bei Profilbesuchern bspw. «Mehr Erfolg im Leben innert 24 Stunden». Oder «Werden Sie Millionär mit neuen Affiliate-Systemen». Es könnte aber auch «Entspannung mit System» oder «100’000 Profilbesucher in 2 Wochen» heissen.

Solch reisserische Titel holen mich in der Regel nicht hinter dem Ofen hervor. Und trotzdem versuchte ich einmal, mehr über eine Person zu erfahren, die mein Profil besuchte. Und schon war ich in der Falle!

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Sehr geehrter Herr Müller

Ich habe eben gesehen, dass Sie mein Profil besucht haben. Ich danke Ihnen dafür. Gerne stelle ich Ihnen meine Dienstleistungen und mein Seminar «Reich in 2 Stunden» vor. Am liebsten persönlich. Wann hätten Sie dafür Zeit? Aber wollen wir uns nicht elektronisch vernetzen? Wir kennen uns ja jetzt schon mal «schriftlich».

Freundliche Grüsse

Ihr Hans Muster

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So ähnlich las es sich damals. Ich brauchte ein paar Momente, bis ich realisierte, was da eben geschehen war. Aktiv angehen darf mich dieser erwähnte Herr Muster auf XING nicht. Sonst wird er von mir gemeldet und gesperrt. Aber ich habe ja sein Profil besucht… und schon hatte er mich. Clever, diese Vorgehensweise. Und wenn ich mich noch mit ihm vernetzt hätte, dann wäre das sozusagen die Legitimation für ihn gewesen, mich mit seinen Angeboten zu überhäufen.

Ähnliches passiert auf Twitter
Die Faustregel heisst hier «If you follow me, then I will follow you». Und im Handumdrehen hat man 8’357 Follower. Oder so ähnlich. Eine Zahl, die auf den ersten Blick imposant anmutet. Nur, wenn man sich die Qualität der Follower anschaut, dann hat sich der Traum vom Marketing-Instrument Twitter meist rasch ausgeträumt. Der Hotdog-Verkäufer in Alaska, der tweetende Elektronikhändler aus Sizilien oder der Bäckersgeselle aus Turkmenistan werden wohl keinen einzigen ihrer Tweets je lesen.

Nun fragt man sich, wie man rasch zu vielen Followern kommt und selbst möglichst wenigen Tweetern zu folgen hat? Ganz einfach… man klickt bei 500 mehr oder weniger zufällig ausgewählten Tweetern auf «Follow». Ich garantiere Ihnen, dass weit über 100 den eigenen Account zurückverfolgen werden. Und sobald man die Follower hat, klickt man bei selbigen wieder auf «Unfollow». So einfach ist das. Zum Glück gibt es wertvolle und kostenlose Tools wie «Who.Unfollowed.Me» im Web. Diese helfen mit, aufzuzeigen, wer die beschriebene Strategie verfolgt.

Die nachhaltige Lösung
Oder man lässt sich auf einen Entwicklungsprozess im eigenen Unternehmen ein. Damit die Kraft und die Möglichkeiten sozialer und elektronischer Medien voll ausgenützt werden können. Womöglich mit den bestehenden personellen und finanziellen Ressourcen. Aber das benötigt eine intensive Reflektionsphase. Und einen Veränderungsprozess in der eigenen Kommunikationspolitik. Lohnend ist es alleweil, wenn Sie eine professionelle Einbindung sozialer Medien in ihre Unternehmensprozesse prüfen.

Ich möchte es an dieser Stelle nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, dass sämtliche «XING-Slogans» frei erfunden sind. Sollte ein Slogan einem bestehenden ähnlich sein, dann ist dies reiner Zufall und völlig unbeabsichtigt. Natürlich ist der im Beispiel aufgeführte Hans Muster ein ebensolches… ein Muster. Und damit ebenfalls frei erfunden! Wer kreative Ideen hat, wie man mit solchem «Spam» umgeht, ist gleich nachfolgend herzlich auf einen Dialog eingeladen! Natürlich meine ich mit «damit umgehen» nicht bloss ignorieren… nein… wie kann aktiv gegen legalen, aber ärgerlichen Spam angegangen werden?

Internet, Social Media und Mittelstand.«Must Have» oder Modeerscheinung?

Keine einfache Frage. Mittlerweile scheint sie auch die zahllosen kleinen und mittelständischen Unternehmen (oder in der Schweiz KMU genannt) zu bewegen. Benötigen wir einen Auftritt auf facebook? Müssen wir nun wirklich auch noch tweeten? Zugegeben… einfach ist es, einen facebook-Auftritt zu erstellen. Und mit einer App à la «Covergen» schauen auch die Titel- und Profilbilder für die Chronik richtig schön aus.

Aber was geschieht danach? Oft fristen die Auftritte ein ödes und einsames Dasein. Wie schon bei Websites gilt: Internetauftritt basteln ist das Eine. Diese zu unterhalten das Andere. Insofern gilt es, bei jeder Integration eines neuen Kommunikationskanals konzeptionell vorzugehen. Aber auch das reicht noch nicht aus. Was oft vergessen wird, ist an eine Anpassung der Firmenprozesse zu denken. Speziell, wenn man von sozialen Kanälen spricht, dann kommen sehr oft neue Zielgruppen hinzu, die mit geeigneten Inhalten und der richtigen Tonalität angesprochen werden müssen. Auch hier heisst es wiederum… Prozessanpassung ist das eine, kulturelle Veränderung das andere. Kann und will die beauftragte Person die Kanäle speisen? Liegt ihr das Medium? Hat sie die Zeit dazu? Passt das Medium zur Unternehmenskultur? Hat es überhaupt Inhalte für die entsprechende Zielgruppe? Kann es Follower, Fans  und Freunde generieren?

«Geschäftsprozessoptimierung» und «Kulturelle Veränderung»… das klingt nun alles nach Konzern und multinational. Das muss nicht zwingend sein, denn auch für mittelständische und kleine Unternehmen lohnt es sich durchaus, die eigenen Kommunikationsprozesse zu hinterfragen. In der Regel gelingt dies allerdings bloss mit einer kritischen Begleitung (Business Coaching), welche die richtigen Fragen stellt, damit das Vorgehen des Unternehmens spiegelt und so eine nachhaltige Veränderung einleitet.

Der langen Rede, kurzer Sinn… Internet und Social Media sind für mich grundsätzlich eher ein «Must Have», denn eine Modeerscheinung. Auch für den Mittelstand. Denn bekanntlich gibt es ja keine Nicht-Kommunikation. Warum dann nicht gleich die richtigen Medien wählen?

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