Es wird Zeit für Politik 3.0

Oder wie politische Systeme von den Prinzipien der sozialen Medien profitieren könnten.

Politik 3.0? Nein, damit meine ich nicht jene Politik, wo das Internet dazu eingesetzt wird, um Wahlen zu gewinnen. Damit meine ich bspw. die freie politische Meinungsäusserung über soziale Medien. Wahlen und Abstimmung über eine Art sozialer Medien. Oder Politiker, die nur wiedergewählt werden dürfen, wenn sie in einem Crowdrating bestimmte Faktoren einhalten und bestimmte Werte erreichen. Oder die elektronische Partizipation. Mit «eVoting» ist ja diesbezüglich der Beginn bereits gemacht.

Hier also meine provokative These: Die heutigen politischen Systeme sind Auslaufmodelle!

Mit dieser Aussage werde ich mich bei vielen engagierten Menschen nicht sehr beliebt machen, das ist mir bewusst. Ich bin Systemiker und deshalb ist mir ebenso bewusst, dass in dieser Lehre das Alte Vorrang vor dem Neuen hat. Das ist auch in diesem Kontext korrekt. Denn schliesslich haben uns die (alten) politischen Prinzipien der vergangenen 60 Jahre dorthin gebracht, wo wir heute stehen. Deutschland ist der Wirtschaftsmotor Europas. Oesterreich mit seinen gut 8 Mio. Einwohnern liegt auf dem 11. Platz der kaufkraftbereinigten Liste des Bruttoinlandprodukts per Kopf. Die Schweiz, weltweite Innovationsführerin, steht in diesem Ranking sogar noch zwei Plätze besser da, als ihr östlicher Nachbar.

Tiefe Stimm- und Wahlbeteiligung
Und trotzdem… wenn wir die Schweiz mit ihrem föderalistischen System betrachten, dann werden oft Stimm- und Wahlbeteiligungen erreicht, welche die 30%-Schwelle kaum übersteigen. Das ist einerseits systembedingt. Die Möglichkeiten der Partizipation werden auf viele Ebenen und Vorgänge verteilt und machen damit einzelne Abstimmung bedeutungsloser. Die tiefe Beteiligung ist überdies Ausdruck der Stabilität des politischen, wie des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systems. Dazu kommen veränderte Lebensgewohnheiten, der stärkere Individualismus, aber auch die zunehmende Komplexität vieler Sachfragen zum Tragen (zitiert aus dem historischen Lexikon der Schweiz). Die politischen Systeme haben sich in den letzten 60 Jahren kaum verändert. Sie haben sich zwar Instrumente der modernen Welt zu eigen gemacht, sind aber nie an die Prinzipien der «neuen», globalen Welt angepasst worden.

Transfer Web 3.0 – Politik 3.0
Wieso also nicht die erprobten Prinzipien der Web-Economy in die Politik transferieren? (Wieder-)Wahlen über Crowdratings, welche über die gesamte Amtsdauer von Politikerinnen und Politiker geführt werden. Politisch bindende Abstimmungen über soziale Kommunal-Netzwerke, die nach den Prinzipien von Google Plus oder facebook aufgebaut sind? Oder mit Open Source Netzwerken, wie mit tent.io eines zu entstehen scheint? Kommunen, die von einer professionellen Geschäftsleitung mit flachen Hierarchien geführt werden? Politiker, die lediglich noch als semiprofessionelle Aufsichts- (D) oder Verwaltungsräte (CH) amten? Und bloss noch für strategische Entscheidungen zuständig sind. Oder wieso sollen gewisse Instandstellungsarbeiten von Strassen nicht über politische Crowdfunding-Plattformen finanziert werden?

Rahmenbedingungen lassen Veränderungen durchaus zu
Das mögen sehr quer gedachte Ansätze sein. Vielleicht sogar Hirngespinste. Doch etwas ist sicher. Die generischen Prinzipien, die ich zu Beginn dieses Artikels erwähnte, sind (fast) so gegeben, wie das Amen in der Kirche. Eines dieser Prinzipien heisst, bestehende Systeme müssen zuerst destabilisiert werden, um eine Veränderung zu ermöglichen. Wenn sich bestehende Systeme nicht ständig selbst in Frage stellen und sich weiter entwickeln, dann machen dies andere. Hoffen wir bloss, dass eine künftige Destabilisierung nicht wie anno 1789 in Frankreich über eine Revolution führt. Die Spielräume, das Wissen und die Instrumente für einen friedlichen «Change» wären da.

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foursquare. Als Standortinstrument stark unterschätzt.


Von Facebook sprechen alle. Seit der Instagram-Übernahme sowieso. Über Twitter sprechen viele, über Google Plus einige. Aber über Foursquare (zumindest hierzulande) nur wenige. Und wenn, dann vor allem die «Eingeweihten». Doch im Gegensatz zu Facebook hat Foursquare noch sehr viel mehr ungenutztes Potential. Und darüber schreibe ich heute, am offiziellen Foursquare-Day, dem 16. April. Und zwar im Kontext mit Tourismus- und Standortmarketing.

Soziale Medien sind vielen Unternehmungen ein Dorn im Auge. Facebook & Co. werden für Mitarbeitende gesperrt. Das ist zwar, wenn es mit der (zu privaten) Nutzung übertrieben wird, absolut in Ordnung. Gleichzeitig jedoch inkonsequent. Denn wenn «private Engagements» am Arbeitsplatz nicht geduldet werden, wäre es folgerichtig, auch private Telefonate (inklusive über Handys), Facebook-Konsum über das private Handy, Zeitung lesen oder Zigaretten rauchen zu verbieten.

Öffentliche Verwaltungseinheiten (und gehen wir im Falle dieses Posts davon aus, dass Tourismusorganisationen zumindest verwaltungsnah sind) tun sich in der Regel mit Neuerungen schwerer als die Privatwirtschaft. Und wenn sich privatwirtschaftliche Firmen schon schwer mit sozialen Medien tun, dann kann man davon ausgehen, dass öffentlich-rechtliche Organisationen noch viel mehr Respekt davor zeigen. Zumindest im Fall von Foursquare finde ich das schade. Denn damit könnten Standorte eine erheblich verbesserte Kundenbindung hinkriegen. Wie das? Ich versuche es, mit einigen frei erfundenen Beispielen aufzuzeigen. Wenn eine Vermarktungsorganisation als «Owner» von Foursquare-Orten auftritt, dann kann sie diese für Aktionen nutzen. Wenn hingegen eine x-beliebige Person eine Check-In-Destination eröffnet, dass ist jene Person «Eigentümer» der Destination. Und das muss nicht zwingend der reale «Besitzer» sein. Irgendwie schräg, wenn ich in Foursquare der Eigentümer des Rathauses, des Abstimmungslokals oder der Stadtverwaltung bin…

Nun aber zu den Beispielen. Ein Coffee-Shop offeriert allen Besuchenden, die im Shop einchecken, ein kostenloses Cookie. Das ist einfach, verständlich, kostet nicht viel und erhöht die Kundenbindung. Jetzt nicken sicherlich alle. Wieso soll deshalb ein Tourismusort nicht einen speziellen Schalter für Ticketverkäufe einrichten? Jeder, der eincheckt kann sich in der «Fast Lane» anstellen und lange Warteschlangen umgehen. Oder jeder 100. Check-In erhält einen 10minüten Helikopter-Flug geschenkt. Oder wieso sollte bspw. nicht auch jeder 10. Check-In in der Gemeindeverwaltung mit einem kostenlosen Tages-Generalabonnement der Bundesbahnen belohnt werden? Oder warum sollte nicht jede Person, die einen witzigen Kommentar über den Stadtpark hinterlässt automatisch an einer Verlosung teilnehmen? Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Ein wenig mehr Kundenbindung würde öffentlich-rechtlichen Organisationen ganz gut tun. Schliesslich spricht man schon lange von Public Management. Oder wirkungsorientierter Verwaltungsführung. Die institutionalisierte Nutzung von Foursquare würde dabei sicherlich helfen.

>> Website Foursquare (D)

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