Social Banking ist voll retro!

social mediaSocial Banking und Genossenschaftsbanken als Verwandte
Auch wenn der Titel etwas Altmodisches implizieren sollte… gemeint ist genau das Gegenteil. Retro ist chic und absolut en vogue! Modestile aus den 1950ern werden wieder selbstbewusst getragen und in der Musik schwappt gerade eine 1980er-Retro-Welle auf uns herüber. Und das alles in einem topmodischen und aktuellen Gewand. Der Grundgedanke von Social Banking geht aber nicht bloss auf die 1980er-Jahre, sondern wesentlich weiter zurück. Im weitesten Sinn stehen für die moderne Idee die klassischen Genossenschaftsbanken Pate. Wie beispielsweise die Raiffeisenbanken, die schon im 19. Jahrhundert gegründet worden sind. Dabei helfen viele kleine und Kleinstvermögen einer Drittperson, ihre Geschäfte oder Anschaffungen zu finanzieren.

Moderne Social Banking-Modelle gehen noch weiter. Nicht nur werden Mikrovermögen zur Finanzierung eingesetzt, die Community entscheidet oft gleich mit, ob ein Projekt unterstützungswürdig ist. Das hat zwar Nachteile, wenn einer urteilenden Mehrheit bspw. gewisse Branchenkenntnisse abgeht. Der Publikumsjoker in Günther Jauchs «Wer wird Millionär» hat jedoch gezeigt, dass sich die Masse, oder neudeutsch formuliert, die «Crowd» selten täuscht. So gesehen, darf man davon ausgehen, dass Projekte, welche von der Mehrheit als nicht unterstützungswürdig angesehen werden, auch in der wirtschaftlichen Realität fallieren würden.

Social Lending und Crowdfunding basieren auf Grundlagen des intuitiven Unternehmertums
Die Finanzierbarkeit eines Projektes ist bei Crowdfunding-Prozessen offen verfolgbar. Ein sehr positiv bewertetes Projekt war offensichtlich die Produktion eines neuen Albums der kanadischen Band «Protest The Hero». Dieser gelang es, innerhalb von 24 Stunden 125’000 Dollar zu sammeln. Zwei Wochen befand sich der Finanzierungslevel bereits bei einem Betrag von über 270’000 Dollar. Im Gegensatz dazu stehen viele Projekte, die auf Crowdfunding-Plattformen gar keine Unterstützung finden oder bloss wenige Euro oder Franken für eine vielleicht gut gemeinte Idee sammeln können. Im klassischen Banking wird eine bestimmte Idee, sollte sie den Kreditwürdigkeitsregeln der jeweiligen Bank entsprechen, vielleicht unterstützt. Eines der Prinzipien des «Intuitive Entrepreneurship», dass Bauchentscheide oder -gefühle oft besser sind als fixe Regeln, wird dabei ausser Acht gelassen.

Transfercoaching als Innovationstreiber
Social Banking und -Lending nutzt die Regeln und Funktionalitäten des modernen Internets, bzw. der sozialen Medien und transformierte diese in die Strukturen eines zukunftsorientierten Bankings. Eine echte Innovation. Der Transfer aus der Internetwelt in andere Branchen beherbergt ein enormes, brachliegendes Innovationspotential. Ich picke dabei lediglich ein Beispiel heraus. Ein gut ausgebautes Knowledge-Management ist – vor allem bei modernen Unternehmen des Dienstleistungssektors – ein unabdingbares Muss. Sehr oft wird das Management des bereits vorhandenen und noch entstehenden Wissens an eine Stelle innerhalb der Firma delegiert. Eine Abteilung, die sich bspw. mit Prozessplanung und -steuerung auseinandersetzt. Viel nachhaltiger ist allerdings der Aufbau und Einsatz eines unternehmensspezifischen Wikis. Dabei «archivieren» die Fachpersonen der Organisation ihr Wissen selbst und tragen in der Manier eines «Open Knowledge Managements» zum Aufbau des wikis bei (PC WELT – Das richtige Wiki für Ihr Unternehmen | DigitalBetrieb – 14 Tools für´s Wiki im Unternehmen).

Dieses Beispiel ist bloss eines von unzähligen, wie Instrumente der Web-Economy genutzt werden können, um auch in klassischeren Branchen Innovationen zu unterstützen. Wenn Sie nun neugierig geworden sind und auch in Ihrem Unternehmen zukunftsorientierte Prozesse und Tools einsetzen wollen, dann erwartet Sie eine spannende Welt voller interessanter Erkenntnisse. Und mit einer gut gewählten, kompetenten Prozessbegleitung wird die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Implementierung massgeblich erhöht!

>> PC WELT – Das richtige Wiki für Ihr Unternehmen
>> DigitalBetrieb – 14 Tools für´s Wiki im Unternehmen
>> Crowdfunding-Plattform «Indiegogo»
>> Die deutsche Fidor-Bank als Beispiel für Social Banking 2.0

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Work for Equity. Neues Zauberwort.

Startups mangelt es in der Regel an finanziellen Ressourcen. Risiko- oder Seed-Kapital ist schwach gestreut. Zumindest, wenn man seine Unternehmung nicht gerade im Silicon Valley ansiedelt. Und klassische Banken sind eher daran interessiert, etablierten Unternehmen Betriebskredite zu vermitteln. Das ist wesentlich «sicherer», als Kapital in eine Firma zu stecken, die noch keine Kennzahlen-History vorzuweisen hat.

Eine innovative Möglichkeit, trotzdem an Kapital zu kommen, bietet seit wenigen Jahren das sogenannte «Crowdfunding». Dabei kommen zwar selten die ganz grossen Beträge zusammen (die Ausnahme bestätigt auch hier die Regel). Aber immerhin… eine alternative Möglichkeit zur finanziellen Mittelbeschaffung bietet das Crowdfunding alleweil. Seit kurzer Zeit wird der Begriff «Work for Equity» en vogue. Der Ausdruck ist selbstredend, es geht darum, für ein Startup-Unternehmen Arbeitsleistungen zu erbringen und dabei eine entsprechende Beteiligung zu erhalten. Das ist letztlich eine nichtmonetäre Version von Risikokapital. Humankapital sozusagen. Ein junges Unternehmen hat sich nun dieser Nische angenommen. Die Vermittlungsplattform ist vor wenigen Tagen in einer Beta-Version online gegangen. UFOstart soll Experten, Investoren und Experten weltweit miteinander verknüpfen. Beim Aufbau eines persönlichen Profils als Experte ermittelt UFOstart den monetären (Gegen-)Wert, den man in ein Startup einbringen kann. Ein junges Unternehmen erhält dabei die Flexibilität, Experten auf der Basis von Beteiligungen, bar oder mit weiteren Benefits zu entlöhnen. Wie das Engagement von Experten quantifiziert und erfasst wird, das ist allerdings noch nicht ersichtlich. So oder so… ein interessantes Modell, das Beachtung verdient!

Ein Beispiel, wie auch etablierte Firmen ein nichtmonetäres Anerkennungsprogramm für Mitarbeitende einführen können, liefert die Unternehmung «Achievers» aus San Francisco. Sie bezeichnet ihr Produkt als «Social Employee Recognition». Dabei handelt es sich – etwas überspitzt ausgedrückt – um ein virtuelles und doch öffentliches Schulterklopfen. Feedback und Anerkennung sind zwei Schlüsselelemente der Mitarbeitenden-Motivation. Das ist längst bekannt. Insofern ist auch dieses Modell beachtenswert. Renommierte Unternehmen wie Deloitte, BP, Bayer, Marriott oder Microsoft sind Kunden des Unternehmens.

SOULWORXX bietet seit längerer Zeit für Startup-Firmen ein Work for Equity-Modell an. Nach einer eingehenden Prüfung und bei Eignung wird ein Agreement über die Zusammenarbeitsform definiert. Mehr über die Koordinaten des direkten Ansprechpartners erfahren Sie über das about.me-Profil von Markus Müller.

Es wird Zeit für Politik 3.0

Oder wie politische Systeme von den Prinzipien der sozialen Medien profitieren könnten.

Politik 3.0? Nein, damit meine ich nicht jene Politik, wo das Internet dazu eingesetzt wird, um Wahlen zu gewinnen. Damit meine ich bspw. die freie politische Meinungsäusserung über soziale Medien. Wahlen und Abstimmung über eine Art sozialer Medien. Oder Politiker, die nur wiedergewählt werden dürfen, wenn sie in einem Crowdrating bestimmte Faktoren einhalten und bestimmte Werte erreichen. Oder die elektronische Partizipation. Mit «eVoting» ist ja diesbezüglich der Beginn bereits gemacht.

Hier also meine provokative These: Die heutigen politischen Systeme sind Auslaufmodelle!

Mit dieser Aussage werde ich mich bei vielen engagierten Menschen nicht sehr beliebt machen, das ist mir bewusst. Ich bin Systemiker und deshalb ist mir ebenso bewusst, dass in dieser Lehre das Alte Vorrang vor dem Neuen hat. Das ist auch in diesem Kontext korrekt. Denn schliesslich haben uns die (alten) politischen Prinzipien der vergangenen 60 Jahre dorthin gebracht, wo wir heute stehen. Deutschland ist der Wirtschaftsmotor Europas. Oesterreich mit seinen gut 8 Mio. Einwohnern liegt auf dem 11. Platz der kaufkraftbereinigten Liste des Bruttoinlandprodukts per Kopf. Die Schweiz, weltweite Innovationsführerin, steht in diesem Ranking sogar noch zwei Plätze besser da, als ihr östlicher Nachbar.

Tiefe Stimm- und Wahlbeteiligung
Und trotzdem… wenn wir die Schweiz mit ihrem föderalistischen System betrachten, dann werden oft Stimm- und Wahlbeteiligungen erreicht, welche die 30%-Schwelle kaum übersteigen. Das ist einerseits systembedingt. Die Möglichkeiten der Partizipation werden auf viele Ebenen und Vorgänge verteilt und machen damit einzelne Abstimmung bedeutungsloser. Die tiefe Beteiligung ist überdies Ausdruck der Stabilität des politischen, wie des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systems. Dazu kommen veränderte Lebensgewohnheiten, der stärkere Individualismus, aber auch die zunehmende Komplexität vieler Sachfragen zum Tragen (zitiert aus dem historischen Lexikon der Schweiz). Die politischen Systeme haben sich in den letzten 60 Jahren kaum verändert. Sie haben sich zwar Instrumente der modernen Welt zu eigen gemacht, sind aber nie an die Prinzipien der «neuen», globalen Welt angepasst worden.

Transfer Web 3.0 – Politik 3.0
Wieso also nicht die erprobten Prinzipien der Web-Economy in die Politik transferieren? (Wieder-)Wahlen über Crowdratings, welche über die gesamte Amtsdauer von Politikerinnen und Politiker geführt werden. Politisch bindende Abstimmungen über soziale Kommunal-Netzwerke, die nach den Prinzipien von Google Plus oder facebook aufgebaut sind? Oder mit Open Source Netzwerken, wie mit tent.io eines zu entstehen scheint? Kommunen, die von einer professionellen Geschäftsleitung mit flachen Hierarchien geführt werden? Politiker, die lediglich noch als semiprofessionelle Aufsichts- (D) oder Verwaltungsräte (CH) amten? Und bloss noch für strategische Entscheidungen zuständig sind. Oder wieso sollen gewisse Instandstellungsarbeiten von Strassen nicht über politische Crowdfunding-Plattformen finanziert werden?

Rahmenbedingungen lassen Veränderungen durchaus zu
Das mögen sehr quer gedachte Ansätze sein. Vielleicht sogar Hirngespinste. Doch etwas ist sicher. Die generischen Prinzipien, die ich zu Beginn dieses Artikels erwähnte, sind (fast) so gegeben, wie das Amen in der Kirche. Eines dieser Prinzipien heisst, bestehende Systeme müssen zuerst destabilisiert werden, um eine Veränderung zu ermöglichen. Wenn sich bestehende Systeme nicht ständig selbst in Frage stellen und sich weiter entwickeln, dann machen dies andere. Hoffen wir bloss, dass eine künftige Destabilisierung nicht wie anno 1789 in Frankreich über eine Revolution führt. Die Spielräume, das Wissen und die Instrumente für einen friedlichen «Change» wären da.

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