Nachhaltigkeit durch intuitives Unternehmertum

Choosing the right one

Geben Sie einmal exakt den folgenden Ausdruck in Google ein: „Intuitives Unternehmertum“ (inkl. Anführungszeichen) und klicken Sie auf «Suchen». Ich habe es getan. Als Resultat kam – mit Ausnahme einer Erwähnung in diesem Blog selbst – keine vernünftige Nennung zu Stande. Nun das Ganze auf englisch: „Intuitive Entrepreneurship“. Bitteschön: Geliefert werden immerhin 483 Resultate (Suchresultat über Google Schweiz; Suche am 8. März 2013). Heisst das jetzt, dass im anglophilen Sprachbereich intuitives Unternehmertum gängiger ist? Ich weiss es nicht, aber es mag ein Indiz dafür sein, dass man sich in Grossbritannien und vor allem den USA mehr Gedanken darüber macht, wie weit Intuition, Gefühle und Emotionen bei unternehmerischen Entscheiden zugelassen werden und relevant sind.

Wenn man im Unternehmerkontext von Intuitionen spricht, dann muss man vorab zwischen drei verschiedenen Arten unterscheiden. Eine Form kennen wir alle. Dabei geht es um ein Gefühl oder einen Instinkt, bei dem nicht beschrieben werden kann, woher es/er stammt. Die zweite Form könnte man als Experten-Intuition bezeichnen. Diese Art der Intuition ist über Jahre antrainiert worden. Man beobachtet sie speziell im Leistungssport, wo man sie gerne auch als Antizipation bezeichnet. Die strategische Intuition basiert weder auf einem Gefühl, noch auf einer antrainierten Reaktion. Sie fusst auf einem Bewusstsein für die technologische, regulatorische und Mitbewerber-Umwelt und setzt ein breit abgestütztes Wissen über existierende Lösungen voraus. Wer intuitives Unternehmertum schulen will, muss sich stark für Trends interessieren, Geistesgegenwart beweisen und sich davon befreien, gängige Lösungen und Expertisen als gegeben zu betrachten.

Ein kleines Beispiel zur Intuition in der Wirtschaft
Wohlgemerkt: Intuitive Entscheidungen ersetzen klassische Business-Tools wie Marktanalysen, Marketing-Konzepte oder Balanced Scorecard nicht. Aber sie ergänzen die gängigen Praktiken in optimaler Weise. Dazu mache ich ein praktisches Beispiel, das ich vor Jahren selbst erlebt habe. Ich war Teil eines verhältnismässig kleinen Medien-Startups, das sich innert wenigen Jahren zu einem führenden Medium des Landes mauserte. Der klassische Weg, eine Kampagne zu planen, ist jener, die Zielgruppendefinition mit den Auflagenzahlen von Medienprodukten zu «matchen» und aufgrund dieser Resultate die entsprechenden Buchungen vorzunehmen. Die Auflagenzahlen basieren auf ständig erfassten Zahlen von Nutzerinnen und Nutzern. Ein neues Produkt, mag es noch so innovativ, bahnbrechend und gut sein, hat kaum eine Chance in die Phalanx der angesehenen Produkte einzubrechen, wenn es sich nicht selbst in die Messreihe mit den anderen Produkten einordnet. Zahlen stehen hier über dem Bauchgefühl. Auch wenn die Intuition sagt, das ist eine innovative Sache, die Erfolg haben wird. Genau so erging es mir damals mit besagtem (Medien-)Produkt. Medienagenturen zeigten sich hoch interessiert und waren beeindruckt von Idee und Konzept. Doch der grosse Erfolg stellte sich erst ein, als das Produkt in den «Suchläufen» der Agenturen automatisch erschien.

Intuition ist teilweise antrainierbar
Wenn also den Zahlen mehr Wert beigemessen wird als einem Gefühl, macht es dann Sinn, sich vertieft dem Thema «Intuition als Managementtechnik» zu widmen? Ich sage: Ja, unbedingt! Denn der Blick zurück in der Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass grosse und wichtige Innovationen vielfach von Tüftlern und Erfindern kommen, die keine Managementausbildung absolviert haben. Selbst Einstein vermerkte einmal: «…Der Intellekt hat auf der Strasse der Entdeckung wenig zu tun! Denn das eigentlich Wertvolle ist im Grunde die Intuition. Auf einmal macht dein Bewusstsein einen Sprung, nennen wir es Intuition, die Lösung kommt zu dir, du weisst weder wie, noch warum…». Und Einstein muss es ja wissen.

Wie lässt sich unternehmerische Intuition trainieren?
Weil es sich bei der unternehmerischen Intuition nicht um ein Gefühl oder einen Instinkt handelt, lässt sie sich weitgehend trainieren. Und zwar mit folgenden Inhalten:

  • Aufbau und Erhaltung eines auf die persönlichen Begebenheiten abgestimmten «Business Information Systems» (Welches sind die relevanten Informationen aus dem persönlichen Geschäftsumfeld?)
  • Im Zusammenhang mit der eben erwähnten Eigenschaft, Aufbau und Erhaltung einer Selbstreflektionspraxis (Erarbeiten von Zeit, Raum und einem persönlichen, institutionalisierten Prozess der Selbstreflektion)
  • Work Life Balance mit einer gesunden Portion an körperlicher Bewegung (Sport, Spiel und Bewegung schärft die Sinne.)
  • Aufbau und Erhaltung der Visualisierungsfähigkeit (Ehrgeizige Zielsetzungen, ein ensprechendes Zielmanagement und die Gabe, vom grossen Ziel zu «träumen»)

Eine Coach-Kollegin aus den vereinigten Staaten, Claudette Rowley, kommt zu ganz ähnlichen Schlussfolgerungen. Ich zitiere sie und übersetze sinnbildlich: «Höre (auf dich), übe und vertraue (in deine Fähigkeiten). Weil Intuition nicht greifbar ist, kann sie weder gesehen, noch gefühlt oder gehört werden. Zumindest nicht in einem Sinn, den wir logisch schlussfolgern können. Sie funktioniert bloss, wenn man darauf vertraut, dass sie funktioniert. Intuition und das Vertrauen in sie hängen sehr eng miteinander zusammen und voneinander ab». Sie benennt die relevanten Faktoren, um der Intuition mehr Aufmerksamkeit zuzubilligen, als folgende: Körpersignale beachten, Körpergefühle realisieren, Arbeiten mit Bildern im Geist, Absichten höher als die Entscheidung selbst zu gewichten (Welches ist das Ziel hinter dem Ziel?) sowie die Beachtung der persönlichen Energie-Levels (körperlich, geistig, emotional).

Wo lässt sich unternehmerische Intuition trainieren?
Im Titel des vorangegangenen Absatzes ging es um die Frage, wie sich unternehmerische Intuition trainieren lasse. Bei der letzten Frage dieses Artikels wäre noch die Frage zu klären, wo man sie trainieren lassen kann. Ich erwähnte, dass im deutschen Sprachraum der Ausdruck kaum existent ist. Doch die Inhalte an sich sind für gute (Business-)Coaches keine Fremdwörter! Coaches, die vielleicht keine pfannenfertige (Seminar-)Lösungen in der Schublade haben. Dafür individuelle Coachingprozesse, die auf die jeweilige Unternehmung, bzw. auf den jeweiligen Manager und/oder Unternehmer abgestimmt sind.

>> Inside Indiana Business – The Role of Strategic Intuition In Entrepreneurship
>> Artikel auf metavoice.org über «Intuition: Des Unternehmers Geheimwaffe» (englisch)

Ist die expertenzentrierte Wirtschaftsberatung ein Auslaufmodell?

Als Antwort auf den Titel dieses Blogposts sage ich mal ganz provokativ: Ja! Natürlich lasse ich dieses Statement nicht so stehen, einige erklärende Sätze kommen schon dazu!

Fokus auf harte Faktoren
Expertenzentrierte Beratung fokussiert häufig auf harte Fakten eines Businessmodells. Produkte-Lebenszyklen werden untersucht, Renditen von Länderorganisationen, Pro-Kopf-Umsätze von Mitbewerbern werden verglichen, der Produktions-Output von Fabriken und dergleichen. Harte Fakten, rasche Reaktionszeiten, schnelle Erfolge. In der Regel wird eine Unternehmung, bzw. ein Unternehmensteil nach einem Audit einer klassischen Unternehmensberatung reorganisiert. Auf die eine oder andere Weise.

Die Lösung wird von aussen zugetragen
Für viele Arbeitnehmende gehören Reorganisationsprozesse heute sozusagen zum Arbeitsalltag. Das belastet die Mitarbeitenden. Grundsätzlich sind Anpassungsprozesse nichts Schlechtes, denn volatile Zeiten erfordern ein ständiges «sich neu erfinden». Werden Reorganisationen von expertenzentrierten Beratern empfohlen, sind diese sozusagen von «aussen» aufoktruiert. Die Lösung kommt nicht von «innen». Sie ist nicht organisch entstanden.

Coaching führt zu Lösungen, die von innen kommen
Nicht selten stehen Management und Mitarbeitende gar nicht hinter derart eingeführten Strukturen und Abläufen. Eine prozessorientierte Beratung, welche die Schlüsselpersonen einer Organisation zielgerichtet zu eigenen Lösungen begleitet, führt in der Regel zu einem wesentlich besseren Impact als das klassische expertenfokussierte Consulting. Ein systemisch-lösungsorientiertes Business Coaching lässt zudem mehr Freiräume für weiche Faktoren und kreative Lösungen. Dazu ein Beispiel. In welchem Unternehmen wird heute die Frage gestellt, ob und in welcher Form das Unternehmen Reflexion zulässt? Ob Reflexion Zeit, aber auch Raum erhält? Wo dies nicht der Fall ist, kann kaum Innovatives entstehen. Ein prozessorientiertes Coaching hilft einer Unternehmung, ihre eigene Situation aus unterschiedlichen Wahrnehmungsräumen zu sehen und entsprechende Neuausrichtungen vorzunehmen. Nur mit dem Unterschied, dass die Lösungen selbst erarbeitet und damit wesentlich besser getragen werden. Was wiederum eine tiefgreifende und andauernde Wirkung im Unternehmen mit sich bringt.

>> SOULWORXX. Beyond Consulting.

Internet, Social Media und Mittelstand.«Must Have» oder Modeerscheinung?

Keine einfache Frage. Mittlerweile scheint sie auch die zahllosen kleinen und mittelständischen Unternehmen (oder in der Schweiz KMU genannt) zu bewegen. Benötigen wir einen Auftritt auf facebook? Müssen wir nun wirklich auch noch tweeten? Zugegeben… einfach ist es, einen facebook-Auftritt zu erstellen. Und mit einer App à la «Covergen» schauen auch die Titel- und Profilbilder für die Chronik richtig schön aus.

Aber was geschieht danach? Oft fristen die Auftritte ein ödes und einsames Dasein. Wie schon bei Websites gilt: Internetauftritt basteln ist das Eine. Diese zu unterhalten das Andere. Insofern gilt es, bei jeder Integration eines neuen Kommunikationskanals konzeptionell vorzugehen. Aber auch das reicht noch nicht aus. Was oft vergessen wird, ist an eine Anpassung der Firmenprozesse zu denken. Speziell, wenn man von sozialen Kanälen spricht, dann kommen sehr oft neue Zielgruppen hinzu, die mit geeigneten Inhalten und der richtigen Tonalität angesprochen werden müssen. Auch hier heisst es wiederum… Prozessanpassung ist das eine, kulturelle Veränderung das andere. Kann und will die beauftragte Person die Kanäle speisen? Liegt ihr das Medium? Hat sie die Zeit dazu? Passt das Medium zur Unternehmenskultur? Hat es überhaupt Inhalte für die entsprechende Zielgruppe? Kann es Follower, Fans  und Freunde generieren?

«Geschäftsprozessoptimierung» und «Kulturelle Veränderung»… das klingt nun alles nach Konzern und multinational. Das muss nicht zwingend sein, denn auch für mittelständische und kleine Unternehmen lohnt es sich durchaus, die eigenen Kommunikationsprozesse zu hinterfragen. In der Regel gelingt dies allerdings bloss mit einer kritischen Begleitung (Business Coaching), welche die richtigen Fragen stellt, damit das Vorgehen des Unternehmens spiegelt und so eine nachhaltige Veränderung einleitet.

Der langen Rede, kurzer Sinn… Internet und Social Media sind für mich grundsätzlich eher ein «Must Have», denn eine Modeerscheinung. Auch für den Mittelstand. Denn bekanntlich gibt es ja keine Nicht-Kommunikation. Warum dann nicht gleich die richtigen Medien wählen?

%d Bloggern gefällt das: