Verantwortung in den sozialen Medien

kodex

Überlegt Bilder auf facebook oder ähnliche soziale Medien laden
Ich würde mich als Digital Native bezeichnen. Wenn dies mein Alter zulassen würde. Von der offiziellen Definition her älter, sollte ich mich wohl eher als heavy using «Digital Immigrant» bezeichnen. Vielleicht ist dies der Grund, wieso ich mir immer wieder gut überlege, was ich poste und was ich eben sein lasse. Was für mich definitiv ein «No Go» ist, sind die eigenen (Klein-)Kinder und Babies abzulichten, um dann die Bilder mit stolzer Elternfreude zu posten. Was ich da schon alles gesehen habe…

Ich will nicht einmal auf das Pädophilen-Problem eingehen, das gehört nicht zwingend in einen Unternehmensentwicklungs-Blog. Aber was geschieht mit den Bildern in 14 oder 15 Jahren? Wenn die Kleinen nicht gar mehr so klein sind? Wenn sie eine eigene Meinung haben? Eine Lehrstelle suchen? Ist es dann förderlich, als junger Erwachsener nicht zu wissen, ob draussen in der Welt auf irgendeiner Festplatte noch Kinderfotos von einem gespeichert sind? Klar hebe ich den Mahnfinger und oute mich damit vielleicht als veralteter und uncool denkender Zeitgenosse. Nichtsdestotrotz… ich habe mir die Mühe gemacht, ein wenig zu recherchieren, ob es Gesetze gibt, welche die Kleinen im Internet schützen. Ich habe mich bei Unicef gemeldet. Zahllose Anfragen bei Suchmaschinen gestartet und viele Websites durchforstet. Nichts!

Von Unicef bekam ich zwar rasch eine sehr kompetente Antwort. Doch letztlich konnte mir auch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen keine Antworten auf meine Kernfrage geben. Zwar gibt es eine Publikation zum Thema «Child Safety Online». Diese geht jedoch mehr darauf ein, wie Kinder im Web vor ungewollten Einflüssen von Drittpersonen geschützt werden können. Ich interpretiere aus meinen Recherchen, dass es letztlich von den Erziehungsverantwortlichen, welche die Vertretungspflicht für die Kinder haben, abhängt, was und wie viel sie von den eigenen Kindern in soziale Medien stellen wollen. Das ist in der gläsernen Gesellschaft von heute nicht wenig verlangt!

Wie sieht es in der Wirtschaft mit dieser Verantwortung aus?
Das führt mich nun zur Frage, wie die Situation im Unternehmen aussieht. Gibt es in Firmen eine Art Compliance für soziale Medien? Wer was in welche Kanäle stellen darf und soll? Schnell ist ein Dokument, das nicht für alle Augen erstellt wurde, in facebook gepostet. Rasch ist ein Tweet mit einem vertraulichen Inhalt in das World Wide Web entlassen. Gerade dieser Tweet wird vielleicht irgendwo in einem Monitoring erfasst und gespeichert. Da nützt es auch nichts mehr, wenn man diesen Tweet aus dem eigenen System wieder löscht. Oder wie machen dies mittelständische Unternehmen, die keine expliziten Social Media-Verantwortlichen haben? Basiert dieses Zusammenspiel auf Vertrauen?

Wie machen Sie als Manager oder Unternehmer dies?
Ich bin dankbar, wenn Sie mir ihre Verhaltensregeln mitteilen. Gerne verfasse ich aus den Beiträgen – im Sinne der «Open Community» – ein White Paper, das ich allen Personen zur Verfügung stelle, welche sich am Content beteiligt haben. Natürlich anonymisiere ich Ihre Beiträge komplett!

Ich danke herzlich für die Beiträge. Entweder als Kommentar. Oder als E-Mail auf info@soulworxx.ch.

Zum Abschluss, ein wunderbarer Satz aus einem englisch geschriebenen Blog zum Thema «Think Twice Before You Blog»: «The postman only used to ring twice.  Words that have been sent into cyberspace will ring forever». Sinnbildlich übersetzt also: «Nur der Postbote klingelte früher zweimal. Wörter und Sätze, die in den Cyberspace gesandt wurden klingeln ewig»!

>> Website Comply Socially

Von Spam, der gar keiner ist

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Wie man legal «spammt»
Letztes Jahr hatte ich ein Aha-Erlebnis, das mir aufzeigte, dass man ganz legal und subtil «gespammt» werden kann. Als überlegter, aber doch intensiver Nutzer zahlreicher sozialer Medien, habe ich natürlich auch ein Profil bei XING. Das Schöne an diesem sozialen (Berufs-)Netzwerk ist, dass ich sehe, wer mein Profil besucht hat. Vielleicht ist Ihnen, sollten Sie ein XING-Profil haben, auch schon einmal aufgefallen, dass auffallend viele Besucher ihres Profils sich mit exotischen Untertiteln schmücken. Dort, wo bei mir ein Bildungstitel erscheint und bei Ihnen vielleicht die arbeitgebende Unternehmung aufgeführt ist, erscheint bei Profilbesuchern bspw. «Mehr Erfolg im Leben innert 24 Stunden». Oder «Werden Sie Millionär mit neuen Affiliate-Systemen». Es könnte aber auch «Entspannung mit System» oder «100’000 Profilbesucher in 2 Wochen» heissen.

Solch reisserische Titel holen mich in der Regel nicht hinter dem Ofen hervor. Und trotzdem versuchte ich einmal, mehr über eine Person zu erfahren, die mein Profil besuchte. Und schon war ich in der Falle!

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Sehr geehrter Herr Müller

Ich habe eben gesehen, dass Sie mein Profil besucht haben. Ich danke Ihnen dafür. Gerne stelle ich Ihnen meine Dienstleistungen und mein Seminar «Reich in 2 Stunden» vor. Am liebsten persönlich. Wann hätten Sie dafür Zeit? Aber wollen wir uns nicht elektronisch vernetzen? Wir kennen uns ja jetzt schon mal «schriftlich».

Freundliche Grüsse

Ihr Hans Muster

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So ähnlich las es sich damals. Ich brauchte ein paar Momente, bis ich realisierte, was da eben geschehen war. Aktiv angehen darf mich dieser erwähnte Herr Muster auf XING nicht. Sonst wird er von mir gemeldet und gesperrt. Aber ich habe ja sein Profil besucht… und schon hatte er mich. Clever, diese Vorgehensweise. Und wenn ich mich noch mit ihm vernetzt hätte, dann wäre das sozusagen die Legitimation für ihn gewesen, mich mit seinen Angeboten zu überhäufen.

Ähnliches passiert auf Twitter
Die Faustregel heisst hier «If you follow me, then I will follow you». Und im Handumdrehen hat man 8’357 Follower. Oder so ähnlich. Eine Zahl, die auf den ersten Blick imposant anmutet. Nur, wenn man sich die Qualität der Follower anschaut, dann hat sich der Traum vom Marketing-Instrument Twitter meist rasch ausgeträumt. Der Hotdog-Verkäufer in Alaska, der tweetende Elektronikhändler aus Sizilien oder der Bäckersgeselle aus Turkmenistan werden wohl keinen einzigen ihrer Tweets je lesen.

Nun fragt man sich, wie man rasch zu vielen Followern kommt und selbst möglichst wenigen Tweetern zu folgen hat? Ganz einfach… man klickt bei 500 mehr oder weniger zufällig ausgewählten Tweetern auf «Follow». Ich garantiere Ihnen, dass weit über 100 den eigenen Account zurückverfolgen werden. Und sobald man die Follower hat, klickt man bei selbigen wieder auf «Unfollow». So einfach ist das. Zum Glück gibt es wertvolle und kostenlose Tools wie «Who.Unfollowed.Me» im Web. Diese helfen mit, aufzuzeigen, wer die beschriebene Strategie verfolgt.

Die nachhaltige Lösung
Oder man lässt sich auf einen Entwicklungsprozess im eigenen Unternehmen ein. Damit die Kraft und die Möglichkeiten sozialer und elektronischer Medien voll ausgenützt werden können. Womöglich mit den bestehenden personellen und finanziellen Ressourcen. Aber das benötigt eine intensive Reflektionsphase. Und einen Veränderungsprozess in der eigenen Kommunikationspolitik. Lohnend ist es alleweil, wenn Sie eine professionelle Einbindung sozialer Medien in ihre Unternehmensprozesse prüfen.

Ich möchte es an dieser Stelle nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, dass sämtliche «XING-Slogans» frei erfunden sind. Sollte ein Slogan einem bestehenden ähnlich sein, dann ist dies reiner Zufall und völlig unbeabsichtigt. Natürlich ist der im Beispiel aufgeführte Hans Muster ein ebensolches… ein Muster. Und damit ebenfalls frei erfunden! Wer kreative Ideen hat, wie man mit solchem «Spam» umgeht, ist gleich nachfolgend herzlich auf einen Dialog eingeladen! Natürlich meine ich mit «damit umgehen» nicht bloss ignorieren… nein… wie kann aktiv gegen legalen, aber ärgerlichen Spam angegangen werden?

Social Banking ist voll retro!

social mediaSocial Banking und Genossenschaftsbanken als Verwandte
Auch wenn der Titel etwas Altmodisches implizieren sollte… gemeint ist genau das Gegenteil. Retro ist chic und absolut en vogue! Modestile aus den 1950ern werden wieder selbstbewusst getragen und in der Musik schwappt gerade eine 1980er-Retro-Welle auf uns herüber. Und das alles in einem topmodischen und aktuellen Gewand. Der Grundgedanke von Social Banking geht aber nicht bloss auf die 1980er-Jahre, sondern wesentlich weiter zurück. Im weitesten Sinn stehen für die moderne Idee die klassischen Genossenschaftsbanken Pate. Wie beispielsweise die Raiffeisenbanken, die schon im 19. Jahrhundert gegründet worden sind. Dabei helfen viele kleine und Kleinstvermögen einer Drittperson, ihre Geschäfte oder Anschaffungen zu finanzieren.

Moderne Social Banking-Modelle gehen noch weiter. Nicht nur werden Mikrovermögen zur Finanzierung eingesetzt, die Community entscheidet oft gleich mit, ob ein Projekt unterstützungswürdig ist. Das hat zwar Nachteile, wenn einer urteilenden Mehrheit bspw. gewisse Branchenkenntnisse abgeht. Der Publikumsjoker in Günther Jauchs «Wer wird Millionär» hat jedoch gezeigt, dass sich die Masse, oder neudeutsch formuliert, die «Crowd» selten täuscht. So gesehen, darf man davon ausgehen, dass Projekte, welche von der Mehrheit als nicht unterstützungswürdig angesehen werden, auch in der wirtschaftlichen Realität fallieren würden.

Social Lending und Crowdfunding basieren auf Grundlagen des intuitiven Unternehmertums
Die Finanzierbarkeit eines Projektes ist bei Crowdfunding-Prozessen offen verfolgbar. Ein sehr positiv bewertetes Projekt war offensichtlich die Produktion eines neuen Albums der kanadischen Band «Protest The Hero». Dieser gelang es, innerhalb von 24 Stunden 125’000 Dollar zu sammeln. Zwei Wochen befand sich der Finanzierungslevel bereits bei einem Betrag von über 270’000 Dollar. Im Gegensatz dazu stehen viele Projekte, die auf Crowdfunding-Plattformen gar keine Unterstützung finden oder bloss wenige Euro oder Franken für eine vielleicht gut gemeinte Idee sammeln können. Im klassischen Banking wird eine bestimmte Idee, sollte sie den Kreditwürdigkeitsregeln der jeweiligen Bank entsprechen, vielleicht unterstützt. Eines der Prinzipien des «Intuitive Entrepreneurship», dass Bauchentscheide oder -gefühle oft besser sind als fixe Regeln, wird dabei ausser Acht gelassen.

Transfercoaching als Innovationstreiber
Social Banking und -Lending nutzt die Regeln und Funktionalitäten des modernen Internets, bzw. der sozialen Medien und transformierte diese in die Strukturen eines zukunftsorientierten Bankings. Eine echte Innovation. Der Transfer aus der Internetwelt in andere Branchen beherbergt ein enormes, brachliegendes Innovationspotential. Ich picke dabei lediglich ein Beispiel heraus. Ein gut ausgebautes Knowledge-Management ist – vor allem bei modernen Unternehmen des Dienstleistungssektors – ein unabdingbares Muss. Sehr oft wird das Management des bereits vorhandenen und noch entstehenden Wissens an eine Stelle innerhalb der Firma delegiert. Eine Abteilung, die sich bspw. mit Prozessplanung und -steuerung auseinandersetzt. Viel nachhaltiger ist allerdings der Aufbau und Einsatz eines unternehmensspezifischen Wikis. Dabei «archivieren» die Fachpersonen der Organisation ihr Wissen selbst und tragen in der Manier eines «Open Knowledge Managements» zum Aufbau des wikis bei (PC WELT – Das richtige Wiki für Ihr Unternehmen | DigitalBetrieb – 14 Tools für´s Wiki im Unternehmen).

Dieses Beispiel ist bloss eines von unzähligen, wie Instrumente der Web-Economy genutzt werden können, um auch in klassischeren Branchen Innovationen zu unterstützen. Wenn Sie nun neugierig geworden sind und auch in Ihrem Unternehmen zukunftsorientierte Prozesse und Tools einsetzen wollen, dann erwartet Sie eine spannende Welt voller interessanter Erkenntnisse. Und mit einer gut gewählten, kompetenten Prozessbegleitung wird die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Implementierung massgeblich erhöht!

>> PC WELT – Das richtige Wiki für Ihr Unternehmen
>> DigitalBetrieb – 14 Tools für´s Wiki im Unternehmen
>> Crowdfunding-Plattform «Indiegogo»
>> Die deutsche Fidor-Bank als Beispiel für Social Banking 2.0

Aufmerksamkeit als Währung

Kürzlich stolperte ich über einen TV-Beitrag des Schweizer Fernsehens aus dem Jahr 2011. Beim altehrwürdigen Talker des Schweizer Fernsehens, Kurt Aeschacher, war damals die Professorin, Buchautorin, Moderatorin und Kommunikationsfachfrau Miriam Meckel zu Gast. Eine Aussage, die innerhalb des Gespräches fiel, prägte sich mir ganz besonders ein. Ich zitiere:

„In unserer Gesellschaft leben wir alle in einem Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Die Währung, mit der wir heute den Wert in der Gesellschaft bestimmen, ist letztlich Aufmerksamkeit.“

Wie Recht sie hatte. Beziehungsweise… wie Recht sie hat! Ist Ihnen nicht auch schon aufgefallen, dass es heute in sozialen Medien oft genau darum geht? Wer mehr «Likes» und «Kommentare» hat, dessen «Wert» steigt. Dass dies nicht bloss dahergeredet ist, zeigt bspw. das Social Media-Monitoring Tool «Klout». Das Tool erfasst jede Interaktion, die eine Person in ihren sozialen Medienkanälen erzeugt. Sie wertet die Reaktionen der Follower und Freunde aus. Und bestimmt letztlich mit einer Skala von 1 bis 100, wie einflussreich eine Person ist. Kein Wunder also, gibt es viele Menschen, welche sich in den verschiedenen sozialen Medienkanälen – sinnbildlich ausgedrückt – die Kleider vom Leib reissen, um ein wenig (virtuelle) Aufmerksamkeit zu erhalten. Oder wie sagte schon Andy Warhol? Jeder Mensch ist einmal in seinem Leben für 15 Minuten berühmt. Dafür scheint vielen Menschen jedes Mittel Recht zu sein.

Ich drücke es sogar noch drastischer aus. Jedes Klicken eines «Like»-Buttons bedeutet «Ich mag deinen Post, deinen Artikel». Aber bedeutet es damit nicht gleichzeitig auch ein wenig «Ich mag dich»? Hand aufs Herz! Seien Sie ehrlich! Nach Ihrem letzten Post auf facebook oder in Ihrem Blog… schauten Sie nicht in Kürze danach, ob jemand ihre «Publikation» mochte?

In unserer heutigen, schnellen und globalisierten Welt hat es nicht mehr viel Platz für echte soziale Interaktion und damit auch für reales Näherkommen und «sich Mögen». Ich erachte die Entwicklung als bedenklich und beobachtenswert. Letztlich sind und bleiben wir lebendige Wesen, die auf reale soziale Interaktionen angewiesen sind. Und nicht bloss auf (virtuelle) «Likes». Im Sinne einer nachhaltigen Weiterentwicklung unserer Gesellschaft und damit auch der nachhaltigen Entwicklung von Unternehmen und Mitarbeitenden!

>> Miriam Meckel in Aeschbacher (SF 1)  vom 27.1.2011
>> Website Miriam Meckel (http://www.miriammeckel.de/)

Warum es facebook in 20 Jahren nicht mehr geben wird

Ich gebe gleich vorweg zu, der Titel ist ein wenig reisserisch. Und doch geht es in diesem Artikel darum, dass die Möglichkeit bestehen könnte. Ich streife das führende soziale Medium nämlich für einmal aus dem Blickwinkel der Synergetik, einer Wissenschaft, die das Zusammenspiel von Elementen in komplexen dynamischen Systemen untersucht und beschreibt. Und aus dieser Warte betrachtet, besteht durchaus Gefahr für facebook. Doch keine Angst… der Artikel wird nicht allzu wissenschaftlich.

Nach aktuellen Zahlen hat beinahe jeder zweite Erdenbürger, der Zugang zum Internet hat (ca. 1.8 Mia. Menschen), einen Facebook-Auftritt (ca. 850’000’000). Eine kaum fassbare Zahl. Hier birgt sich für den börsenkotierten Konzern eine Gefahr. So viele Menschen, die miteinander vernetzt sind, bilden früher oder später eine Art der Selbstorganisation. Äussern Bedürfnisse, sich selbst besser organisieren zu können.

Die Selbstorganisation ist ein wichtiger Aspekt der Synergetik. Selbstorganisierte Systeme sind in der Regel komplex, die Teile können sich ständig verändern. Jedes Systemverhalten wirkt auf sich selbst zurück und wird wieder Ausgangspunkt für weiteres Verhalten. Es erfolgt keine prinzipielle Trennung zwischen organisierenden, gestaltenden oder lenkenden Teilen. Und selbstorganisierende Systeme sind autonom, wenn die Beziehungen und Interaktionen, die das System als Einheit definieren, nur durch das System selbst bestimmt werden.

Die Voraussetzungen für ein sich selbst organisierendes System sind, wenn man diese Zeilen liest, grundsätzlich da. Bis auf den letztgenannten Punkt. Der dürfte eine Knacknuss für Mark Zuckerberg und sein Team werden, sobald die Community sich selbstbewusster gegenüber dem Koloss facebook äussert. Wie viel Mit- und Selbstbestimmung wird der Community gewährt? Wie breit bleibt das Spektrum, das die Investoren an Mitbestimmung der Community überlassen?

Was würde wohl geschehen, wenn sich ein starkes soziales Open Source Netzwerk bildet, das sich komplett selbst organisiert und weiterentwickelt.
Ein soziales Medium, das Bedürfnisse der User umgehend umsetzt. Eine Analogie gibt es im Bereich der Internet-Browser. Firefox hat es als Open Source Internetbrowser weit gebracht. Im deutschsprachigen Bereich ist Firefox führend, weltweit liegt der Browser auf Platz zwei. Firefox ist agiler als der Internet Explorer (iEx), kann auf Bedürfnisse insgesamt schneller reagieren als sein übermächtig erscheinender Mitbewerber. Firefox ist auch innovativer und bringt regelmässig Neuerungen, auf die iEx bloss noch re-agieren kann.

Warten wir also ab, wie lange sich die facebook-User die einerseits offene, teilweise aber auch recht verdeckte Bevormundung gefallen lassen. Insofern gesehen, ist also meine Überlegung, dass es facebook in 20 Jahren nicht mehr (oder zumindest nicht mehr in der heutigen Form) geben könnte, nicht so weit her gegriffen.

Internet, Social Media und Mittelstand.«Must Have» oder Modeerscheinung?

Keine einfache Frage. Mittlerweile scheint sie auch die zahllosen kleinen und mittelständischen Unternehmen (oder in der Schweiz KMU genannt) zu bewegen. Benötigen wir einen Auftritt auf facebook? Müssen wir nun wirklich auch noch tweeten? Zugegeben… einfach ist es, einen facebook-Auftritt zu erstellen. Und mit einer App à la «Covergen» schauen auch die Titel- und Profilbilder für die Chronik richtig schön aus.

Aber was geschieht danach? Oft fristen die Auftritte ein ödes und einsames Dasein. Wie schon bei Websites gilt: Internetauftritt basteln ist das Eine. Diese zu unterhalten das Andere. Insofern gilt es, bei jeder Integration eines neuen Kommunikationskanals konzeptionell vorzugehen. Aber auch das reicht noch nicht aus. Was oft vergessen wird, ist an eine Anpassung der Firmenprozesse zu denken. Speziell, wenn man von sozialen Kanälen spricht, dann kommen sehr oft neue Zielgruppen hinzu, die mit geeigneten Inhalten und der richtigen Tonalität angesprochen werden müssen. Auch hier heisst es wiederum… Prozessanpassung ist das eine, kulturelle Veränderung das andere. Kann und will die beauftragte Person die Kanäle speisen? Liegt ihr das Medium? Hat sie die Zeit dazu? Passt das Medium zur Unternehmenskultur? Hat es überhaupt Inhalte für die entsprechende Zielgruppe? Kann es Follower, Fans  und Freunde generieren?

«Geschäftsprozessoptimierung» und «Kulturelle Veränderung»… das klingt nun alles nach Konzern und multinational. Das muss nicht zwingend sein, denn auch für mittelständische und kleine Unternehmen lohnt es sich durchaus, die eigenen Kommunikationsprozesse zu hinterfragen. In der Regel gelingt dies allerdings bloss mit einer kritischen Begleitung (Business Coaching), welche die richtigen Fragen stellt, damit das Vorgehen des Unternehmens spiegelt und so eine nachhaltige Veränderung einleitet.

Der langen Rede, kurzer Sinn… Internet und Social Media sind für mich grundsätzlich eher ein «Must Have», denn eine Modeerscheinung. Auch für den Mittelstand. Denn bekanntlich gibt es ja keine Nicht-Kommunikation. Warum dann nicht gleich die richtigen Medien wählen?

foursquare. Als Standortinstrument stark unterschätzt.


Von Facebook sprechen alle. Seit der Instagram-Übernahme sowieso. Über Twitter sprechen viele, über Google Plus einige. Aber über Foursquare (zumindest hierzulande) nur wenige. Und wenn, dann vor allem die «Eingeweihten». Doch im Gegensatz zu Facebook hat Foursquare noch sehr viel mehr ungenutztes Potential. Und darüber schreibe ich heute, am offiziellen Foursquare-Day, dem 16. April. Und zwar im Kontext mit Tourismus- und Standortmarketing.

Soziale Medien sind vielen Unternehmungen ein Dorn im Auge. Facebook & Co. werden für Mitarbeitende gesperrt. Das ist zwar, wenn es mit der (zu privaten) Nutzung übertrieben wird, absolut in Ordnung. Gleichzeitig jedoch inkonsequent. Denn wenn «private Engagements» am Arbeitsplatz nicht geduldet werden, wäre es folgerichtig, auch private Telefonate (inklusive über Handys), Facebook-Konsum über das private Handy, Zeitung lesen oder Zigaretten rauchen zu verbieten.

Öffentliche Verwaltungseinheiten (und gehen wir im Falle dieses Posts davon aus, dass Tourismusorganisationen zumindest verwaltungsnah sind) tun sich in der Regel mit Neuerungen schwerer als die Privatwirtschaft. Und wenn sich privatwirtschaftliche Firmen schon schwer mit sozialen Medien tun, dann kann man davon ausgehen, dass öffentlich-rechtliche Organisationen noch viel mehr Respekt davor zeigen. Zumindest im Fall von Foursquare finde ich das schade. Denn damit könnten Standorte eine erheblich verbesserte Kundenbindung hinkriegen. Wie das? Ich versuche es, mit einigen frei erfundenen Beispielen aufzuzeigen. Wenn eine Vermarktungsorganisation als «Owner» von Foursquare-Orten auftritt, dann kann sie diese für Aktionen nutzen. Wenn hingegen eine x-beliebige Person eine Check-In-Destination eröffnet, dass ist jene Person «Eigentümer» der Destination. Und das muss nicht zwingend der reale «Besitzer» sein. Irgendwie schräg, wenn ich in Foursquare der Eigentümer des Rathauses, des Abstimmungslokals oder der Stadtverwaltung bin…

Nun aber zu den Beispielen. Ein Coffee-Shop offeriert allen Besuchenden, die im Shop einchecken, ein kostenloses Cookie. Das ist einfach, verständlich, kostet nicht viel und erhöht die Kundenbindung. Jetzt nicken sicherlich alle. Wieso soll deshalb ein Tourismusort nicht einen speziellen Schalter für Ticketverkäufe einrichten? Jeder, der eincheckt kann sich in der «Fast Lane» anstellen und lange Warteschlangen umgehen. Oder jeder 100. Check-In erhält einen 10minüten Helikopter-Flug geschenkt. Oder wieso sollte bspw. nicht auch jeder 10. Check-In in der Gemeindeverwaltung mit einem kostenlosen Tages-Generalabonnement der Bundesbahnen belohnt werden? Oder warum sollte nicht jede Person, die einen witzigen Kommentar über den Stadtpark hinterlässt automatisch an einer Verlosung teilnehmen? Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Ein wenig mehr Kundenbindung würde öffentlich-rechtlichen Organisationen ganz gut tun. Schliesslich spricht man schon lange von Public Management. Oder wirkungsorientierter Verwaltungsführung. Die institutionalisierte Nutzung von Foursquare würde dabei sicherlich helfen.

>> Website Foursquare (D)

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