Unternehmensentwicklung auf sportliche Art – Teil 1

Leistungssport und Wirtschaft haben vieles gemeinsam. Der Druck auf die Exponenten (sprich: AthletInnen, Teams und Mitarbeitende) ist hüben wie drüben immens. Die Frage, was denn nun der Leistungssport mit der Wirtschaft wirklich gemeinsam hat, interessiert mich schon seit Jahren. Das kommt daher, dass ich sowohl auf eine ganz ansehnliche leistungssportliche als auch wirtschaftliche Karriere zurückblicken darf. Mit- und nebeneinander wohlgemerkt.

Die Untersuchungen und Studien, wie viel die beiden Bereiche effektiv gemeinsam haben, sind an den Fingern beider Hände abzuzählen. Nun habe ich im vergangenen Dezember an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW ein Masterstudium in systemisch-lösungsorientiertem Coaching abgeschlossen. Grund genug, die oben beschriebene Frage mittels einer Masterthese eingehender zu bearbeiten. Die Arbeit trug den Titel «Kompetenztransfer Leistungssport Wirtschaft – Sportpsychologie und mentales Training im Fokus der Personal- und Unternehmensentwicklung». Die Arbeit wurde – das freut mich natürlich – mit der Bestnote bewertet. Ich habe mich nun entschlossen, die These als eBook unter dem Titel «Unternehmensentwicklung auf sportliche Art» kostenlos zu publizieren.

Der vorliegende Blog-Artikel dient zur Einführung. Im zweiten Artikel gehe ich näher auf die Grundlagen der Arbeit und die einzelnen untersuchten Techniken/Strategien ein. Im dritten und letzten Artikel kommentiere ich das aus der Arbeit abgeleitete Unternehmensentwicklungsmodell.

Selbstverständlich vertrete ich selbst als Change Manager und Business Coach dieses Modell und setze es für mich selbst oder andere in eine nachhaltige Leistungssteigerung um.

Das eBook kann über den untenstehenden Link «Open Publication» gestartet werden. Interessenten, die eine PDF-Kopie wünschen, melden sich bitte mit Angabe des gewünschten Einsatzzwecks unter markus.mueller@soulworxx.ch.

Werbeanzeigen

Ein quer gedachter Ansatz für Corporate Social Responsibility


Heute schreibe ich über ein System, in dem automatisierte Veränderung seit je her eine Selbstverständlichkeit ist. Die Natur. Keine Angst… ich verfalle nicht in esoterisches Geschreibe. Ein wenig Philosophisches und Systemisches hingegen darf durchaus Platz haben… Die Bionik, die evolutionäre Vorgänge der Natur untersucht und in die Technik überträgt, hat schliesslich mittlerweile mehr als nur einen wissenschaftlichen Anstrich. Darum nehme ich die Natur im Allgemeinen und Laubbäume im Speziellen als Metapher für das moderne Wirtschaftsleben.

Was hat ein Laubbaum mit einer Firma zu tun?
Der Sommer ist vorbei, die grünen Blätter werden nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt, sie werden allmählich gelb, dann rot, um schliesslich ganz abzufallen. Und im Frühling das Gegenteil. Ein automatischer Prozess, der einsetzt, sobald die Umgebungsbedingungen sich stark verändern. Gefallene Blätter erfüllen für das System Baum eine weitere Aufgabe. Sie übernehmen eine Düngefunktion, um den Baum im Frühjahr gestärkt wieder «auferstehen» zu lassen.

Jetzt wechsle ich den Schauplatz und gehe in die Wirtschaft. Ich stelle mir vor, das Ökosystem Baum stelle die Unternehmung dar. Die Blätter sind die Mitarbeitenden. Den nährstoffreichen Sommer stelle ich als Phase der Hochkonjunktur dar. Und den eisigen Winter als Rezession.

Beim Baum fallen in der «Krisensituation» die Blätter, beim Unternehmen werden Stellen gestrichen. Welche Aufgabe übernehmen die überzähligen Mitarbeitenden für das System Unternehmung? Während das gefallene Blatt eine konkrete Aufgabe übernimmt, müssen ehemalige Mitarbeitende eine neue Stelle finden. In der Natur-Metapher würde dies heissen, das gefallene Blatt sucht sich einen neuen Baum. Egal ob Hochkonjunktur oder Rezession. Egal ob Winter oder Sommer. Schwierig zu verstehen, nicht wahr?

Düngemittel für das eigene Unternehmen
So gesehen, müsste man ein System erdenken, das (oftmals hoch qualifizierte) Mitarbeitende nicht einfach dem freien Arbeitsmarkt überlässt. Die ehemaligen Mitarbeitenden sollten in einem Subsystem tätig sein, das sich mit der Stärkung des Unternehmens befasst. Ein System, das Entwicklungsaufgaben übernimmt, so dass die Firma in dem Moment, wo die Konjunktur wieder anzieht, bereit für einen Wachstumssprung ist. Wieso sollen die Mittel eines Sozialplans plus jene Mittel des Arbeitslosengeldes nicht in einen Spinoff fliessen, wo Mitarbeitende zu reduzierten Salären weiterarbeiten können. So lange, bis sie entweder eine neue Anstellung haben oder wieder im «Regelsystem» Unterschlupf finden. Dass der Denkansatz nicht gar so quer ist, zeigt die Fa. Merck, die nach der Schliessung der Genfer Zentrale von Serono bis zu 30 Mio. Euro in Startups und Spinoffs stecken will.

Die Realität sieht heute in der Regel anders aus. Weniger Mitarbeitende müssen stetig mehr Arbeit in kürzerer Zeit erfüllen. Das wäre in etwa dasselbe, wie wenn ein möglichst grosser Baum mit so wenig Blättern wie möglich, einen Sommer aushalten müsste, der lieber acht als bloss sechs oder sogar vier Monate dauert. Dieser Baum wird mittelfristig kaum überleben.

Soziale Unternehmensverantwortung
Insofern gesehen, bin ich – obwohl ein überzeugter Anhänger des «Laissez Faire» – ein ebenso überzeugter Anhänger einer gesunden Corporate Social Responsibility (CSR). Einer Verantwortung, die Unternehmen über ihre gesetzlichen Pflichten hinaus übernehmen. Erst eine Grundeinstellung, die den Prinzipien einer vernünftigen CSR entspricht, ermöglicht eine nachhaltige Unternehmensentwicklung. Auch im Sinne der langfristigen Umsatz- und Gewinnsicherung. Ein Sozialplan für entlassene Mitarbeitende würde in diesem Fall nicht bloss heissen, diesen bspw. das Salär zwölf statt nur drei Monate zu zahlen. Es würde heissen, das Prozess-, Markt- und Produktwissen (im weitesten Sinn) im eigenen Unternehmen zu halten. Das wäre echte soziale Unternehmensverantwortung. Ohne den Aspekt der Umsatz- und Gewinnoptimierung komplett aus dem Blickwinkel zu verlieren.

>> Wissenschaftlicher Artikel aus der «Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik» zum Thema «Corporate Social Responsibility»

%d Bloggern gefällt das: