Kannibalisiere dich selbst, sonst…

cannibal

Martialisch… aber wahr!
…tut dies ein anderer. Klingt ein wenig martialisch. Doch diese Wirtschaftsweisheit hat spätestens seit der Geburt der Internet-Economy vor 15 – 20 Jahren neuen Auftrieb erhalten. Wie mancher Buchladen mag wohl in den vergangenen 20 Jahren die Türen geschlossen, weil literarisch interessierte Menschen ihre Bücher online bestellen oder auf ihren eReader herunterladen? Schon oft habe ich erlebt, dass vor allem kleine Unternehmen mit dem Schicksal hadern, das ihnen von übermächtig erscheinenden Wirtschaftsvorgängen widerfahren ist. Als beliebtes Beispiel, um dies mit einem «Bild» darzustellen, erscheint mir immer wieder das Verhalten von Detailhändlern in kleineren Innenstädten. Man lamentiert oft über die grossen Einkaufscenter, welche sich schon vor Jahren und Jahrzehnten ausserhalb der Innenstädte angesiedelt haben. Dort, wo man mit dem Privatauto gut hingelangt. Und oft erst noch gratis parkieren kann. Genau diesen Fakt höre ich immer wieder als Hauptschuldigen, weshalb die Konsumenten nicht mehr in die Cities von kleineren Städten fahren. Weil dort Verkehrsstau herrscht. Und die Parkplätze Mangelware sind. Und man die eingekauften Waren erst noch zum Auto schleppen muss.

Mut zeigen und nicht mit dem Schicksal hadern
Die eigentlichen Beweggründe liegen jedoch tiefer versteckt. Kauft der Konsument in einem riesigen Center ein, marschiert er mit seinem Einkaufswagen oft auch Hunderte von Metern, bis er bei seinem Auto ankommt. Und viele Center haben mittlerweile (vor allem in der Schweiz) ebenso ein (kostenpflichtiges) Parkplatzmanagement wie Innenstädte.

Nimmt man diese zwei Tatsachen etwas näher unter die Lupe, erkennt man: Nicht der eigentliche Fussweg vom Auto zum Einkaufsladen ist das Hauptproblem. Das Schleppen der Waren vom Shop zum Auto! Wieso entwickelt somit keine Detailhandelsvereinigung ein Konzept, das eine Art Einkaufswagenpark für Innenstädte bereitstellt? Wieso gibt es keine elektrische Shopping-Taxis, welche Konsumenten von Parkplätzen auf Schritt und Tritt auf eine, (Innenstadt-)Einkaufsbummel begleiten. Und die eingekauften Waren danach zum Wagen zurückfahren? Dies sind nur zwei von weit über Hundert Roh-Ideen, die in einem Kreativworkshop für eine Detailhandelsorganisation entstanden sind.

Mit «frischen» Beinen rennt es sich schneller
Die Moral der Geschichte ist folgende: Auch kleinere Unternehmen kommen nicht an der Tatsache vorbei, dass sie sich ständig weiterentwickeln müssen. Sich Trends nicht verschliessen können. Neben dem zeitraubenden Betrieb der eigenen kleinen Firma müssen sie noch die Zeit für ein Reflektion finden. Eine Reflektionsphase, die dazu dient, neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln. Welche dann letztlich helfen, mit den erwähnten Trends zu gehen.

Oft höre ich die Argumente: «Das können wir uns finanziell nicht leisten!» oder «Wir haben nicht die Zeit dazu!» Nachvollziehbar! Was könnte also ein Lösungsansätz für jene Kleinunternehmer sein, die tatsächlich tagein, tagaus selbst am Tresen stehen? Bsp. könnten Kreativ- und Innovations-Workshops von Branchenverbänden angeboten werden. Und die eigentliche Umsetzung geschieht dann beim Kleinunternehmer mit einem Business-Coach. Und dieser agiert «bloss» als sporadischer Prozessbegleiter.

Versuchen Sie sich also für einmal als Kannibale! In aller Regel kommt man mit einem Bein noch immer vorwärts. Selbst unsere handicappierten Mitmenschen, die nicht mehr gehen können, kommen mit technischen Hilfsmitteln vorwärts! Und manche von ihnen sogar ganz schnell! Das Schöne an der Geschichte, im Gegensatz zum realen menschlichen Leben, ist: auch wenn das bewusste Kannibalisieren eines (Geschäfts-)Beines weh tut… ein neues, unverbrauchtes und fittes Bein wächst nach. Und lässt einen schon bald wieder an der Startlinie eines Marathons stehen.

Lebenszyklen in der Wirtschaft

lifecycleWenn sich ganze Branchen erneuern
Heute schreibe ich wieder über Innovation. Und zwar aus der Sicht der «Gesamterneuerung» einer Branche. Vor einiger Zeit schrieb ich über ein Beispiel aus der Finanzbranche. Ein weiteres Beispiel aus der Musikbranche beschrieb ich ansatzweise im Artikel über «Crowd Companies». Heute verbleibe ich bei der Musikbranche, da ich der Branche seit vielen Jahren sehr nahe stehe.

Im Kontext mit dem heutigen Artikel zitiere ich das Modell von Claudia Kostka (2006), welche die verschiedenen Phasen der Veränderung treffend beschrieb. Sie beschreibt sieben Phasen. Auf die erste Phase (Schock, Überraschung) folgt die Phase der Verneinung und Ablehnung. Darauf folgt die rationale Einsicht, die emotionale Akzeptanz, die Probier- und Lernphase und schliesslich die Erkenntnis- und Integrationsphase.

Beim Innovationsverhalten von Konzernen und global agierenden Unternehmen ist es immer wieder interessant zu beobachten, wie diese simplen Prinzipien nicht selten geradezu mit Füssen getreten werden. Das will ich anhand eines Beispiels erläutern:

Langsame Dinosaurier vs. agile Raubtiere
Die produzierende und vertreibende Musikindustrie hatte viele Jahrzehnte ein gemächliches Leben. Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1990er-Jahre wurden Tonträger vertrieben und vermarket. Die einzige Innovation während dieser langen Zeit bestand darin, dass sich zuerst das Material (von Schellack zu Vinyl) und schliesslich das Material, die Grösse und die Abspielgeräte (Compact Discs) änderten. Die CD’s brachten zum ersten Mal etwas Aufregung in die Branche. Richtig heftig wurde es wenige Jahre später, als Napster (und andere Startups) auf den Plan traten. Plötzlich gab es die Musik nicht mehr auf physisch vorhandenen Datenträgern, sondern (nur noch) als Downloads. Und oft erst noch in Piratenmanier kostenlos. Die Grossindustrie reagierte nach den beschriebenen Prinzipien. Auf die Überraschungsphase folgte die Phase der Bekämpfung der neuen Technologie. Nach der rationalen Einsicht und der Akzeptanz, dass sich die neue Technologie durchsetzt, wurden allerdings die Phasen der Ausprobierens, Lernens und Erkennens übersprungen. Und zwar indem Firmen wie Napster übernommen und integriert wurden. Die Plattformen wurden vollumfänglich in die Philosophie, Denkweise und Werthaltung der Mutterunternehmung eingebunden. Die revolutionären Werte gingen früher oder später verloren. Napster gibt es zwar heute noch, aber der führende Rang wurde längst von einer Plattform übernommen, deren «Mutterunternehmung» ursprünglich überhaupt kein Musikhändler war. Apple’s iTunes!

Lebenszyklen Musikträger-Technologien

Lebenszyklen Musikträger-Technologien

Der nächste Entwicklungsschritt wartet nicht
Der letzte Paradigmenwechsel in der globalen Musikindustrie ist gerade erst verdaut, schon steht die nächste Evolution (oder gar Revolution) vor der Tür. Downloads werden überflüssig und Menschen beginnen immer mehr damit, ihre Musik weder auf physischen Datenträgern noch in virtueller Form auf einer eigenen Harddisk zu besitzen. Sie erstehen lediglich noch das Recht, sich Musik über das Internet anzuhören (Cloud Music). Die Evolution wird allerdings wiederum (wie vor Jahren bei Napster) zur Revolution, weil immer mehr Künstler beginnen, ihre Musik kostenlos anzubieten und über neue Geschäftsmodelle Geld zu verdienen. So kann es sein, dass Bands über Konzerte ihren Lebensunterhalt verdienen. Oder sie verkaufen liebevoll, in Handarbeit erstellte Merchandising-Artikel. Oder sie pressen ihren modernen Sound in Retroform auf Vinyl und verkaufen diese an Sammler und Liebhaber. Die Phase der Entstehung neuer Geschäftsmodelle läuft zur Zeit auf Hochtouren.

Und was machen derweil die «Major Labels»? Sie setzen – zumindest aus der Ferne betrachtet – noch immer auf die totale Vermarktung einiger weniger globaler Künstler und Bands in einigen wenigen Genres (Pop, Rock oder Hip Hop). Sie setzen die Preise für Konzerttickets immer höher an, weil die Einnahmen aus den Musikverkäufen immer kleiner werden. Innovativ ist das nicht gerade. Und währenddessen verabschieden sich immer mehr Musiker in die freie Selbstvermarktung. Es entstehen Plattformen, die grösser werden. Beispielsweise die alternativen Musikvermarkter «cdbaby», «reverbnation» oder «bandcamp». Wie lange es wohl dauert, bis Sony, Universal oder Warner eine der erwähnten Plattformen aufkaufen? Und vollständig integrieren?

Und nun gelange ich zur Quintessenz, was Unternehmen aus dieser Geschichte lernen sollten:

1. Es ist ein Must, Produkte und Dienstleistungen permanent zu erneuern! Sich selbst zu kannibalisieren ist besser, als durch Konkurrenten «verspiesen» zu werden.
2. Ein sensibler Trendradar ist heute für Unternehmen unumgänglich.
3. Mit der Frage, was diese Trends für die eigenen Unternehmung bedeuten, hat sich jede Firma intensiv zu beschäftigen.
und last but not least…
4. Sollte ein Startup aufgekauft werden, ist es meist besser, die neue Unternehmenseinheit losgelöst zu betreiben. Auch wenn dies in der Regel mit Mehrkosten verbunden ist… die (neuen) Werte sind nicht in (globale) Werte eines Konzerns zu intergrieren, zumal es globale Werte gar nicht geben kann.

Deshalb! Auf zu neuen, innovativen Ufern! Und sollten Sie in ihrer täglichen Arbeit kaum Zeit für Reflektion, Kreativität und Innovation finden… stets zu Diensten!

Social Banking ist voll retro!

social mediaSocial Banking und Genossenschaftsbanken als Verwandte
Auch wenn der Titel etwas Altmodisches implizieren sollte… gemeint ist genau das Gegenteil. Retro ist chic und absolut en vogue! Modestile aus den 1950ern werden wieder selbstbewusst getragen und in der Musik schwappt gerade eine 1980er-Retro-Welle auf uns herüber. Und das alles in einem topmodischen und aktuellen Gewand. Der Grundgedanke von Social Banking geht aber nicht bloss auf die 1980er-Jahre, sondern wesentlich weiter zurück. Im weitesten Sinn stehen für die moderne Idee die klassischen Genossenschaftsbanken Pate. Wie beispielsweise die Raiffeisenbanken, die schon im 19. Jahrhundert gegründet worden sind. Dabei helfen viele kleine und Kleinstvermögen einer Drittperson, ihre Geschäfte oder Anschaffungen zu finanzieren.

Moderne Social Banking-Modelle gehen noch weiter. Nicht nur werden Mikrovermögen zur Finanzierung eingesetzt, die Community entscheidet oft gleich mit, ob ein Projekt unterstützungswürdig ist. Das hat zwar Nachteile, wenn einer urteilenden Mehrheit bspw. gewisse Branchenkenntnisse abgeht. Der Publikumsjoker in Günther Jauchs «Wer wird Millionär» hat jedoch gezeigt, dass sich die Masse, oder neudeutsch formuliert, die «Crowd» selten täuscht. So gesehen, darf man davon ausgehen, dass Projekte, welche von der Mehrheit als nicht unterstützungswürdig angesehen werden, auch in der wirtschaftlichen Realität fallieren würden.

Social Lending und Crowdfunding basieren auf Grundlagen des intuitiven Unternehmertums
Die Finanzierbarkeit eines Projektes ist bei Crowdfunding-Prozessen offen verfolgbar. Ein sehr positiv bewertetes Projekt war offensichtlich die Produktion eines neuen Albums der kanadischen Band «Protest The Hero». Dieser gelang es, innerhalb von 24 Stunden 125’000 Dollar zu sammeln. Zwei Wochen befand sich der Finanzierungslevel bereits bei einem Betrag von über 270’000 Dollar. Im Gegensatz dazu stehen viele Projekte, die auf Crowdfunding-Plattformen gar keine Unterstützung finden oder bloss wenige Euro oder Franken für eine vielleicht gut gemeinte Idee sammeln können. Im klassischen Banking wird eine bestimmte Idee, sollte sie den Kreditwürdigkeitsregeln der jeweiligen Bank entsprechen, vielleicht unterstützt. Eines der Prinzipien des «Intuitive Entrepreneurship», dass Bauchentscheide oder -gefühle oft besser sind als fixe Regeln, wird dabei ausser Acht gelassen.

Transfercoaching als Innovationstreiber
Social Banking und -Lending nutzt die Regeln und Funktionalitäten des modernen Internets, bzw. der sozialen Medien und transformierte diese in die Strukturen eines zukunftsorientierten Bankings. Eine echte Innovation. Der Transfer aus der Internetwelt in andere Branchen beherbergt ein enormes, brachliegendes Innovationspotential. Ich picke dabei lediglich ein Beispiel heraus. Ein gut ausgebautes Knowledge-Management ist – vor allem bei modernen Unternehmen des Dienstleistungssektors – ein unabdingbares Muss. Sehr oft wird das Management des bereits vorhandenen und noch entstehenden Wissens an eine Stelle innerhalb der Firma delegiert. Eine Abteilung, die sich bspw. mit Prozessplanung und -steuerung auseinandersetzt. Viel nachhaltiger ist allerdings der Aufbau und Einsatz eines unternehmensspezifischen Wikis. Dabei «archivieren» die Fachpersonen der Organisation ihr Wissen selbst und tragen in der Manier eines «Open Knowledge Managements» zum Aufbau des wikis bei (PC WELT – Das richtige Wiki für Ihr Unternehmen | DigitalBetrieb – 14 Tools für´s Wiki im Unternehmen).

Dieses Beispiel ist bloss eines von unzähligen, wie Instrumente der Web-Economy genutzt werden können, um auch in klassischeren Branchen Innovationen zu unterstützen. Wenn Sie nun neugierig geworden sind und auch in Ihrem Unternehmen zukunftsorientierte Prozesse und Tools einsetzen wollen, dann erwartet Sie eine spannende Welt voller interessanter Erkenntnisse. Und mit einer gut gewählten, kompetenten Prozessbegleitung wird die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Implementierung massgeblich erhöht!

>> PC WELT – Das richtige Wiki für Ihr Unternehmen
>> DigitalBetrieb – 14 Tools für´s Wiki im Unternehmen
>> Crowdfunding-Plattform «Indiegogo»
>> Die deutsche Fidor-Bank als Beispiel für Social Banking 2.0

Warum bloss Risiken eingehen?

wordle_versicherungen

Heute habe ich in wikipedia den Begriff «Versicherungsart» gesucht. Das obenstehende Wordle zeigt das Resultat. Natürlich habe ich viele Begriffe erwartet, das Resultat hat mich trotzdem etwas überrascht. Warum ich gerade diesen Begriff für den heutigen Artikel auswähle? Das ist rasch erklärt: Heute geht es um Risikoaversion!

Tauchen wir nochmals kurz in das Allerweltslexikon von wikipedia ein und lassen uns aufklären, was es mit dem Begriff der «Risikoaversion» auf sich hat:

Der Begriff Risikoaversion bzw. Risikoscheu bezeichnet in der Entscheidungstheorie die Eigenschaft eines Marktteilnehmers, z. B. Investors, bei der Wahl zwischen mehreren Alternativen gleichen Erwartungswerts stets die Alternativen mit dem geringeren Risiko hinsichtlich des Ergebnisses – und damit auch dem geringstmöglichen Verlust – zu bevorzugen.

book_ngfIm wikipedia-Eintrag wird beim Marktteilnehmer das Beispiel eines Investors genannt. Investoren haben in der Regel mit Banken zu tun. Banken selbst gehen (oder gingen) zuweilen immense Risiken ein, um ihre Gewinne zu erzielen. Gleichzeitig haben dieselben Banken in ihren Prozessen eine grosse Abneigung gegenüber Risiken, was auf den ersten Blick paradox erscheinen mag, systemisch aber Sinn macht. Abläufe sind gegeben und können nur sehr schwer modernisiert werden. Wer allerdings glaubt, das Finanzwesen ruht sich auf den Lorbeeren aus, der sei eines Besseren belehrt. Mittlerweile sind diverse Unternehmen entstanden, die nach den Prinzipien der Web-Economy wirtschaften. Eine der Firmen nennt sich «Next Generation Finance» und investiert erfolgreich in Unternehmen, die sich mit nachhaltigen Trends in der Finanzwelt beschäftigen. Zum Thema der «Finanzwelt 2.0» ist übrigens kürzlich ein interessantes Buch erschienen. Es trägt den Titel «Finanzdienstleister der nächsten Generation: Die neue digitale Macht der Kunden» und zeigt mit Best Cases auf, wie Kunden von Finanzinstituten nicht mehr länger die Rolle der passiven Konsumenten, die nichts zu sagen haben, einnehmen. Sehr empfehlenswert für alle Organisationsentwickler, Business-Coaches und Berater, die mit der Finanzwelt zu tun haben.

Nun aber zurück zur Risikoaversion und zurück zu den Versicherungen. Unsere Abneigung gegenüber Risiken beruht auf eigenen, in der heutigen Zeit aber vor allem auf fremden Erfahrungen. Mit entsprechenden Versicherungen schliessen wir aus, dass wir im Falle des Scheiterns schwerwiegendere Folgen zu tragen haben. Das ist zwar im Bedarfsfall eine prima Sache. Was dabei aber vergessen geht, ist der Lerneffekt. Wer falliert und davon nichts zu spüren bekommt, macht es das nächste Mal selten besser. Kinder fallen um, weinen vielleicht ganz fürchterlich, doch sie lernen etwas dabei. Und machen es das nächste Mal besser. Es ist kein Geheimnis, dass im Silicon Valley eine Kultur der Akzeptanz gegenüber gescheiterten Unternehmen besteht. Die entsprechenden Unternehmer werden dazu angehalten, es möglichst rasch wieder zu versuchen. Oft mit Erfolg. Denn sie haben etwas aus ihrem Scheitern gelernt.

So gesehen, würde es unserem Unternehmertum gut anstehen, sich wieder vermehrt dem kindlichen Ausprobieren zu verschreiben. Vielleicht gilt es, für einmal sein Geld nicht in Versicherungspolicen zu investieren, sondern in Innovationsprojekte, die garantiert nachhaltiger sind. Frei nach dem Motto: Wer nichts Neues ausprobiert, macht keine neuen Erfahrungen, die wiederum dazu dienen, künftigen Risiken auszuweichen. Und dies ohne Versicherungspolicen! Exponenten der Finanzbranche machen es vor, wann springen Sie auf das Boot?

>> Finanzdienstleister der nächsten Generation: Die neue digitale Macht der Kunden

Was bitte ist denn «Trend Embbeding»?

Business ink doodles on paper with pen. Vector illustration.

Bildquelle: fotolia.de

Dateneingabeeinheit statt Server?
Im Grunde genommen habe ich «neudeutsche» Ausdrücke gar nicht so gern. Doch als Spezialist in der Umsetzung von Internet-Applikationen in Unternehmensstrategien braucht man sehr viel Energie, um sich der englischen Sprache zu verschliessen. Diese ist nun mal in der globalen Web- und IT-Community gang und gäbe. Hand aufs Herz… Wann haben Sie das letzte Mal über das Web geplaudert (genau… ich meine natürlich gechattet)? Wer speichert seine Daten schon in einer Dateneingabeeinheit (Server…)? Oder besitzen Sie auch schon einen Notizblock-Computer (Tablet)?

Sehen Sie! Man kommt fast nicht mehr um die angelsächsischen Ausdrücke herum. Das ist auch der Grund, dass ich mich seit Kurzem als «Trend Embedder» bezeichne. Ich könnte mich sicherlich auch «Entwicklungsrichtungs-Einbetter» nennen. Aber dann versteht mich wohl- neudeutsch hin oder her – kaum jemand mehr. Das wäre der erste Grund, warum ich einen englischen Ausdruck für jene spezielle Arbeit gewählt habe.

Ein weiterer Grund ist folgender: Haben Sie eventuell schon einmal einen Clip aus dem Videoportal youtube in eine andere Internet-Seite eingebettet? Dann haben Sie nichts Anderes gemacht, als einen Code, der abstrakt beschreibt, worum es geht und wo die ursprüngliche Quelle liegt, in einen anderen (Website-)Code eingebettet. Dabei kann man in der Regel sogar bestimmen, wie das eingebettete Objekt aussehen soll. Voilà… schon hat man «sein» Video im «Look & Feel» der eigenen Website.

Hier entsteht ein Trend, dort wird er umgesetzt
Nehmen Sie die Metapher aus dem letzten Absatz und übertragen Sie in die Unternehmenswelt. Irgendwo entsteht ein Trend. Vielleicht auf der Strasse. Eventuell in einer komplett anderen Branche als der eigenen. Oder gar in der Natur. Ein «Trend Embedder» macht nichts Anderes, als dass er seine Nase stets im Wind hält. Und Entwicklungstendenzen über die ihm als Coach zur Verfügung stehende Toolbox, zusammen mit Verantwortlichen einer Unternehmung, in die Diensleistungspalette, Strategie, Unternehmenskultur und in die Firmenprozesse einbettet. Ähnlich wie die Bionik eine Entwicklung darstellt, Abläufe aus der Natur in technische Prozesse einzubinden. Eines der eindrücklichsten Beispiele hierfür kennen Sie vielleicht schon. Die deutsche Unternehmung FESTO hat den «Smart Bird» entwickelt. Ja, was Sie im folgenden Clip sehen, ist in der Tat kein lebendiges Wesen, sondern ein konstruiertes.

Das erarbeitete Wissen aus dieser Konstruktion ist mittlerweile bei FESTO in diverse Produkte und Prozesse eingeflossen.

Technologisch aktuell zu bleiben, Entwicklungsrichtungen zu erkennen und in andere Bereiche einzubinden (Trend Embedding eben…), das ist eine anspruchsvolle Disziplin im Innovationsmanagement und in der Unternehmensentwicklung. Nehmen Sie die Herausforderung auch als Unternehmen an! Sie ist nicht bloss spannend. Sie lernen viel dabei und sichern erst noch die Leistungsfähigkeit Ihrer Firma.

Work for Equity. Neues Zauberwort.

Startups mangelt es in der Regel an finanziellen Ressourcen. Risiko- oder Seed-Kapital ist schwach gestreut. Zumindest, wenn man seine Unternehmung nicht gerade im Silicon Valley ansiedelt. Und klassische Banken sind eher daran interessiert, etablierten Unternehmen Betriebskredite zu vermitteln. Das ist wesentlich «sicherer», als Kapital in eine Firma zu stecken, die noch keine Kennzahlen-History vorzuweisen hat.

Eine innovative Möglichkeit, trotzdem an Kapital zu kommen, bietet seit wenigen Jahren das sogenannte «Crowdfunding». Dabei kommen zwar selten die ganz grossen Beträge zusammen (die Ausnahme bestätigt auch hier die Regel). Aber immerhin… eine alternative Möglichkeit zur finanziellen Mittelbeschaffung bietet das Crowdfunding alleweil. Seit kurzer Zeit wird der Begriff «Work for Equity» en vogue. Der Ausdruck ist selbstredend, es geht darum, für ein Startup-Unternehmen Arbeitsleistungen zu erbringen und dabei eine entsprechende Beteiligung zu erhalten. Das ist letztlich eine nichtmonetäre Version von Risikokapital. Humankapital sozusagen. Ein junges Unternehmen hat sich nun dieser Nische angenommen. Die Vermittlungsplattform ist vor wenigen Tagen in einer Beta-Version online gegangen. UFOstart soll Experten, Investoren und Experten weltweit miteinander verknüpfen. Beim Aufbau eines persönlichen Profils als Experte ermittelt UFOstart den monetären (Gegen-)Wert, den man in ein Startup einbringen kann. Ein junges Unternehmen erhält dabei die Flexibilität, Experten auf der Basis von Beteiligungen, bar oder mit weiteren Benefits zu entlöhnen. Wie das Engagement von Experten quantifiziert und erfasst wird, das ist allerdings noch nicht ersichtlich. So oder so… ein interessantes Modell, das Beachtung verdient!

Ein Beispiel, wie auch etablierte Firmen ein nichtmonetäres Anerkennungsprogramm für Mitarbeitende einführen können, liefert die Unternehmung «Achievers» aus San Francisco. Sie bezeichnet ihr Produkt als «Social Employee Recognition». Dabei handelt es sich – etwas überspitzt ausgedrückt – um ein virtuelles und doch öffentliches Schulterklopfen. Feedback und Anerkennung sind zwei Schlüsselelemente der Mitarbeitenden-Motivation. Das ist längst bekannt. Insofern ist auch dieses Modell beachtenswert. Renommierte Unternehmen wie Deloitte, BP, Bayer, Marriott oder Microsoft sind Kunden des Unternehmens.

SOULWORXX bietet seit längerer Zeit für Startup-Firmen ein Work for Equity-Modell an. Nach einer eingehenden Prüfung und bei Eignung wird ein Agreement über die Zusammenarbeitsform definiert. Mehr über die Koordinaten des direkten Ansprechpartners erfahren Sie über das about.me-Profil von Markus Müller.

Es wird Zeit für Politik 3.0

Oder wie politische Systeme von den Prinzipien der sozialen Medien profitieren könnten.

Politik 3.0? Nein, damit meine ich nicht jene Politik, wo das Internet dazu eingesetzt wird, um Wahlen zu gewinnen. Damit meine ich bspw. die freie politische Meinungsäusserung über soziale Medien. Wahlen und Abstimmung über eine Art sozialer Medien. Oder Politiker, die nur wiedergewählt werden dürfen, wenn sie in einem Crowdrating bestimmte Faktoren einhalten und bestimmte Werte erreichen. Oder die elektronische Partizipation. Mit «eVoting» ist ja diesbezüglich der Beginn bereits gemacht.

Hier also meine provokative These: Die heutigen politischen Systeme sind Auslaufmodelle!

Mit dieser Aussage werde ich mich bei vielen engagierten Menschen nicht sehr beliebt machen, das ist mir bewusst. Ich bin Systemiker und deshalb ist mir ebenso bewusst, dass in dieser Lehre das Alte Vorrang vor dem Neuen hat. Das ist auch in diesem Kontext korrekt. Denn schliesslich haben uns die (alten) politischen Prinzipien der vergangenen 60 Jahre dorthin gebracht, wo wir heute stehen. Deutschland ist der Wirtschaftsmotor Europas. Oesterreich mit seinen gut 8 Mio. Einwohnern liegt auf dem 11. Platz der kaufkraftbereinigten Liste des Bruttoinlandprodukts per Kopf. Die Schweiz, weltweite Innovationsführerin, steht in diesem Ranking sogar noch zwei Plätze besser da, als ihr östlicher Nachbar.

Tiefe Stimm- und Wahlbeteiligung
Und trotzdem… wenn wir die Schweiz mit ihrem föderalistischen System betrachten, dann werden oft Stimm- und Wahlbeteiligungen erreicht, welche die 30%-Schwelle kaum übersteigen. Das ist einerseits systembedingt. Die Möglichkeiten der Partizipation werden auf viele Ebenen und Vorgänge verteilt und machen damit einzelne Abstimmung bedeutungsloser. Die tiefe Beteiligung ist überdies Ausdruck der Stabilität des politischen, wie des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systems. Dazu kommen veränderte Lebensgewohnheiten, der stärkere Individualismus, aber auch die zunehmende Komplexität vieler Sachfragen zum Tragen (zitiert aus dem historischen Lexikon der Schweiz). Die politischen Systeme haben sich in den letzten 60 Jahren kaum verändert. Sie haben sich zwar Instrumente der modernen Welt zu eigen gemacht, sind aber nie an die Prinzipien der «neuen», globalen Welt angepasst worden.

Transfer Web 3.0 – Politik 3.0
Wieso also nicht die erprobten Prinzipien der Web-Economy in die Politik transferieren? (Wieder-)Wahlen über Crowdratings, welche über die gesamte Amtsdauer von Politikerinnen und Politiker geführt werden. Politisch bindende Abstimmungen über soziale Kommunal-Netzwerke, die nach den Prinzipien von Google Plus oder facebook aufgebaut sind? Oder mit Open Source Netzwerken, wie mit tent.io eines zu entstehen scheint? Kommunen, die von einer professionellen Geschäftsleitung mit flachen Hierarchien geführt werden? Politiker, die lediglich noch als semiprofessionelle Aufsichts- (D) oder Verwaltungsräte (CH) amten? Und bloss noch für strategische Entscheidungen zuständig sind. Oder wieso sollen gewisse Instandstellungsarbeiten von Strassen nicht über politische Crowdfunding-Plattformen finanziert werden?

Rahmenbedingungen lassen Veränderungen durchaus zu
Das mögen sehr quer gedachte Ansätze sein. Vielleicht sogar Hirngespinste. Doch etwas ist sicher. Die generischen Prinzipien, die ich zu Beginn dieses Artikels erwähnte, sind (fast) so gegeben, wie das Amen in der Kirche. Eines dieser Prinzipien heisst, bestehende Systeme müssen zuerst destabilisiert werden, um eine Veränderung zu ermöglichen. Wenn sich bestehende Systeme nicht ständig selbst in Frage stellen und sich weiter entwickeln, dann machen dies andere. Hoffen wir bloss, dass eine künftige Destabilisierung nicht wie anno 1789 in Frankreich über eine Revolution führt. Die Spielräume, das Wissen und die Instrumente für einen friedlichen «Change» wären da.

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