Es wird Zeit für Politik 3.0

Oder wie politische Systeme von den Prinzipien der sozialen Medien profitieren könnten.

Politik 3.0? Nein, damit meine ich nicht jene Politik, wo das Internet dazu eingesetzt wird, um Wahlen zu gewinnen. Damit meine ich bspw. die freie politische Meinungsäusserung über soziale Medien. Wahlen und Abstimmung über eine Art sozialer Medien. Oder Politiker, die nur wiedergewählt werden dürfen, wenn sie in einem Crowdrating bestimmte Faktoren einhalten und bestimmte Werte erreichen. Oder die elektronische Partizipation. Mit «eVoting» ist ja diesbezüglich der Beginn bereits gemacht.

Hier also meine provokative These: Die heutigen politischen Systeme sind Auslaufmodelle!

Mit dieser Aussage werde ich mich bei vielen engagierten Menschen nicht sehr beliebt machen, das ist mir bewusst. Ich bin Systemiker und deshalb ist mir ebenso bewusst, dass in dieser Lehre das Alte Vorrang vor dem Neuen hat. Das ist auch in diesem Kontext korrekt. Denn schliesslich haben uns die (alten) politischen Prinzipien der vergangenen 60 Jahre dorthin gebracht, wo wir heute stehen. Deutschland ist der Wirtschaftsmotor Europas. Oesterreich mit seinen gut 8 Mio. Einwohnern liegt auf dem 11. Platz der kaufkraftbereinigten Liste des Bruttoinlandprodukts per Kopf. Die Schweiz, weltweite Innovationsführerin, steht in diesem Ranking sogar noch zwei Plätze besser da, als ihr östlicher Nachbar.

Tiefe Stimm- und Wahlbeteiligung
Und trotzdem… wenn wir die Schweiz mit ihrem föderalistischen System betrachten, dann werden oft Stimm- und Wahlbeteiligungen erreicht, welche die 30%-Schwelle kaum übersteigen. Das ist einerseits systembedingt. Die Möglichkeiten der Partizipation werden auf viele Ebenen und Vorgänge verteilt und machen damit einzelne Abstimmung bedeutungsloser. Die tiefe Beteiligung ist überdies Ausdruck der Stabilität des politischen, wie des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systems. Dazu kommen veränderte Lebensgewohnheiten, der stärkere Individualismus, aber auch die zunehmende Komplexität vieler Sachfragen zum Tragen (zitiert aus dem historischen Lexikon der Schweiz). Die politischen Systeme haben sich in den letzten 60 Jahren kaum verändert. Sie haben sich zwar Instrumente der modernen Welt zu eigen gemacht, sind aber nie an die Prinzipien der «neuen», globalen Welt angepasst worden.

Transfer Web 3.0 – Politik 3.0
Wieso also nicht die erprobten Prinzipien der Web-Economy in die Politik transferieren? (Wieder-)Wahlen über Crowdratings, welche über die gesamte Amtsdauer von Politikerinnen und Politiker geführt werden. Politisch bindende Abstimmungen über soziale Kommunal-Netzwerke, die nach den Prinzipien von Google Plus oder facebook aufgebaut sind? Oder mit Open Source Netzwerken, wie mit tent.io eines zu entstehen scheint? Kommunen, die von einer professionellen Geschäftsleitung mit flachen Hierarchien geführt werden? Politiker, die lediglich noch als semiprofessionelle Aufsichts- (D) oder Verwaltungsräte (CH) amten? Und bloss noch für strategische Entscheidungen zuständig sind. Oder wieso sollen gewisse Instandstellungsarbeiten von Strassen nicht über politische Crowdfunding-Plattformen finanziert werden?

Rahmenbedingungen lassen Veränderungen durchaus zu
Das mögen sehr quer gedachte Ansätze sein. Vielleicht sogar Hirngespinste. Doch etwas ist sicher. Die generischen Prinzipien, die ich zu Beginn dieses Artikels erwähnte, sind (fast) so gegeben, wie das Amen in der Kirche. Eines dieser Prinzipien heisst, bestehende Systeme müssen zuerst destabilisiert werden, um eine Veränderung zu ermöglichen. Wenn sich bestehende Systeme nicht ständig selbst in Frage stellen und sich weiter entwickeln, dann machen dies andere. Hoffen wir bloss, dass eine künftige Destabilisierung nicht wie anno 1789 in Frankreich über eine Revolution führt. Die Spielräume, das Wissen und die Instrumente für einen friedlichen «Change» wären da.

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Nachhaltigkeit durch sanfte Faktoren in der Unternehmenspolitik

Haben Sie die olympischen Spiele auch mitverfolgt? Ich tat es. Am Rande zumindest. Dabei sind mir verschiedentlich (in der Leichtathletik) die Einblendungen der aktuellen olympischen und Weltrekorde aufgefallen. Viele davon liegen weit zurück. Speziell fällt der 400m-Weltrekord der Damen auf. Marita Koch erzielte ihre Bestleistung 1985, also vor über einem Vierteljahrhundert. Die Frage, ob sie damals gedopt war, die lassen wir jetzt gentleman-like beiseite.

Leistungsgrenzen sind oft erreicht
Was ich damit sagen will… die Leistungsgrenzen sind weitgehend ausgereizt. Im Leistungssport, aber auch in der Wirtschaft. Im Leistungssport wird den sogenannt weichen Faktoren längst viel Aufmerksamkeit geschenkt (z.B. psychologische Faktoren). Aussagen wie jene des Schweizer 200m-Läufers Alex Wilson, er hätte sich im 200m-Halbfinal an den olympischen Spielen in London mehr auf das Publikum fokussiert, als auf sich selbst, sind im Spitzensport äusserst selten. In meinen Ohren klang das sogar belustigend.

Die Wirtschaft hinkt noch weit hinten nach. Harte Fakten, wie Umsatz- und Gewinnentwicklung stehen an erster Stelle. Zauberbegriffe sind EBIT, EBITDA, Gewinnmaximierung, -optimierung oder ROI. Wie viele Mitarbeitende können eingespart werden, um gleich viel oder mehr Umsatz und Gewinn zu erzielen?

Man muss kein Hellseher, kein Wahrsager sein, um zu realisieren, dass die harten Faktoren nicht mehr allzu lange strapaziert werden können. Die Fakten sprechen für sich. Hier zitiere ich aus dem Artikel «Stilles Drama», der vor rund drei Wochen im deutschen Manager-Magazin erschien: Allein zwischen 2004 und 2010 hat sich die Zahl der burn-out-bedingten Arbeitsunfähigkeitstage in deutschen Unternehmen von 8,1 auf 72,3 pro 1000 Versicherte nahezu verneunfacht!

Doch womit können sich Unternehmen neu positionieren?
Indem sie sich neu ausrichten. Indem sie weiche Faktoren in ihre künftige strategische Ausrichtung einbauen. Stillstand ist in diesem Fall nicht unbedingt ein Rückschritt. Jeder Spitzensportler braucht Erholung, Besinnung und Neuausrichtung, um seine Leistungen stetig zu verbessern. Im Business-Kontext kann dieses Innehalten zu Fragen der folgenden Art führen: Wie lernfähig ist meine Unternehmung? Sind die Zielsetzungen der Mitarbeitenden weitgehend mit jenen unserer Unternehmung kompatibel? Vielleicht auch, ob die Firma Zeit, geistigen und örtlichen Raum zur Reflektion zur Verfügung stellt. Und dies auch in den Unternehmenswerten, in der Unternehmensphilosophie verankert. Oder viele weitere ähnliche Fragen…

SOULWORXX beschäftigt sich speziell mit genannten Themen und bietet Expertise im nachhaltigen Business Coaching, bzw. im innovativen Veränderungsmanagement. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf (markus.mueller@soulworxx.ch)!

>> Kurzbericht Alex Wilson an den olympischen Spielen 2012
>> Artikel «Stilles Drama», Manager-Magazin, 18.7.2012

10. August 2012

Ist die expertenzentrierte Wirtschaftsberatung ein Auslaufmodell?

Als Antwort auf den Titel dieses Blogposts sage ich mal ganz provokativ: Ja! Natürlich lasse ich dieses Statement nicht so stehen, einige erklärende Sätze kommen schon dazu!

Fokus auf harte Faktoren
Expertenzentrierte Beratung fokussiert häufig auf harte Fakten eines Businessmodells. Produkte-Lebenszyklen werden untersucht, Renditen von Länderorganisationen, Pro-Kopf-Umsätze von Mitbewerbern werden verglichen, der Produktions-Output von Fabriken und dergleichen. Harte Fakten, rasche Reaktionszeiten, schnelle Erfolge. In der Regel wird eine Unternehmung, bzw. ein Unternehmensteil nach einem Audit einer klassischen Unternehmensberatung reorganisiert. Auf die eine oder andere Weise.

Die Lösung wird von aussen zugetragen
Für viele Arbeitnehmende gehören Reorganisationsprozesse heute sozusagen zum Arbeitsalltag. Das belastet die Mitarbeitenden. Grundsätzlich sind Anpassungsprozesse nichts Schlechtes, denn volatile Zeiten erfordern ein ständiges «sich neu erfinden». Werden Reorganisationen von expertenzentrierten Beratern empfohlen, sind diese sozusagen von «aussen» aufoktruiert. Die Lösung kommt nicht von «innen». Sie ist nicht organisch entstanden.

Coaching führt zu Lösungen, die von innen kommen
Nicht selten stehen Management und Mitarbeitende gar nicht hinter derart eingeführten Strukturen und Abläufen. Eine prozessorientierte Beratung, welche die Schlüsselpersonen einer Organisation zielgerichtet zu eigenen Lösungen begleitet, führt in der Regel zu einem wesentlich besseren Impact als das klassische expertenfokussierte Consulting. Ein systemisch-lösungsorientiertes Business Coaching lässt zudem mehr Freiräume für weiche Faktoren und kreative Lösungen. Dazu ein Beispiel. In welchem Unternehmen wird heute die Frage gestellt, ob und in welcher Form das Unternehmen Reflexion zulässt? Ob Reflexion Zeit, aber auch Raum erhält? Wo dies nicht der Fall ist, kann kaum Innovatives entstehen. Ein prozessorientiertes Coaching hilft einer Unternehmung, ihre eigene Situation aus unterschiedlichen Wahrnehmungsräumen zu sehen und entsprechende Neuausrichtungen vorzunehmen. Nur mit dem Unterschied, dass die Lösungen selbst erarbeitet und damit wesentlich besser getragen werden. Was wiederum eine tiefgreifende und andauernde Wirkung im Unternehmen mit sich bringt.

>> SOULWORXX. Beyond Consulting.

Innovation ist eine Unternehmensressource

Wie die Neue Zürcher Zeitung NZZ kürzlich berichtete, haben amerikanische Zeitungen grösste Mühe, neue Geschäftsmodelle zu finden. Eine Studie des amerikanischen Pew Research Centers zeigte auf, dass US-Medienhäuser jedem Dollar, den sie im klassischen Printgeschäft verloren, lediglich rund 15 Cents an Einnahmen aus dem (neuen) Onlinegeschäft gegenüberstellen können. In Prozenten ausgedrückt, bedeutet dies ein Rückgang von 85 %.

Ich hatte vor über zehn Jahren das Vergnügen, bei einem der radikalsten Medienprojekte, das die Schweiz bis dahin kannte, dabei zu sein. Ich durfte die ersten zwei Jahre des crossmedialen Pendlermediums «20 Minuten» mitprägen. Die dazugehörige Zeitung ist heute die mit Abstand am meisten gelesene Tageszeitung der Schweiz. Die Einführung des Gratisblattes war allerdings von massivem Gegenwind gezeichnet. Die etablierten Medienhäuser kämpften mit vielen Mitteln gegen das alle Regeln missachtende Startup. In Deutschland ging das soweit, dass die grossen Medienunternehmen innert Wochen millionenschwere Gegenprojekte lancierten. Nur um diese nach dem Rückzug von 20 Minuten aus dem Testmarkt Köln wieder einzustellen.

Dieses Projekt lief nach einem klassischen Muster einesVeränderungsprozesses ab. Nach diesem Muster ist zuerst mit gehörigem Widerstand zu rechnen. Schliesslich können die etablierten Umsatzträger viel verlieren. Wer Regeln bricht und diese neu zu definieren vermag, der kann für sich in Anspruch nehmen, ein echter Innovator zu sein. Offensichtlich ist genau dies den erwähnten amerikanischen Medienunternehmen schlecht gelungen. Paywalls aufzubauen, heisst bloss, die klassischen Geschäftsmodelle unverändert auf die neuen Begebenheiten zu übertragen. Das ist im Normalfall nicht von grosser und langer Wirksamkeit.

Gefragt sind – auch in diesem Fall – radikale Innovationen. Innovationen, die nur entstehen, wenn man «über den Tellerrand» hinausguckt. Wenn man das Undenkbare denkbar macht. Das wiederum funktioniert nur, wenn ausgetretene Denkpfade verlassen und bestehende Denkmuster der eigenen Unternehmung systematisch durchbrochen werden. Das wiederum gelingt meist nur mit einem extern begleiteten Veränderungsprozess. Aha-Effekte können dabei Unternehmen vermitteln, die sich auf die Themen «Kreativität» und «Innovation» spezialisiert haben. Eines dieser Unternehmen ist bspw. die Zürcher Denkmotor Gmbh. Die junge Firma berät und begleitet Firmen im Bereich von Kreativitätsprozessen.

Kreativität ist das Eine. Die nachfolgende systematische Implementierung in die Unternehmensprozesse das Andere. Einen höchst spannenden Ansatz für Unternehmensentwicklung hat die Wiener Beratungsfirma Exner entwickelt. Sie geht davon aus, dass die Wirtschaft in den nächsten Jahren nicht in ruhigere, berechenbarere Gewässer läuft und höchst volatil bleibt. Ihr Volatilitätscheck ist ein geeignetes Instrument, um nicht nur die harten Fakten in volatilen Zeiten zu berücksichtigen. Speziell weiche Elemente, wie Beobachtungs-, Lern- und Reflektionsfähigkeit oder Reaktionsfreudigkeit werden überprüft. Ein Business Coach hilft in diesem umfassenden Prozess, die Sicht auf das Wesentliche beizubehalten. Diese Softfaktoren unterstützen die Innovationsfähigkeit von Unternehmen, in Einzelfällen werden sie sogar erst durch diese ermöglicht.

Innovationsprozesse verlangen eine hohe Veränderungsbereitschaft. Eine Bereitschaft, die dringend notwendig ist, um letztlich nicht in dieselbe Situation zu kommen, in der amerikanische Medienunternehmen heute sind.

>> Artikel Neue Zürcher Zeitung NZZ; «Amerikas Zeitungen straucheln» vom 7. Mai 2012
>> Studie Pew Research Center
>> Business Coaching SOULWORXX / Markus Müller
>> XING-Profil Markus Müller

Internet, Social Media und Mittelstand.«Must Have» oder Modeerscheinung?

Keine einfache Frage. Mittlerweile scheint sie auch die zahllosen kleinen und mittelständischen Unternehmen (oder in der Schweiz KMU genannt) zu bewegen. Benötigen wir einen Auftritt auf facebook? Müssen wir nun wirklich auch noch tweeten? Zugegeben… einfach ist es, einen facebook-Auftritt zu erstellen. Und mit einer App à la «Covergen» schauen auch die Titel- und Profilbilder für die Chronik richtig schön aus.

Aber was geschieht danach? Oft fristen die Auftritte ein ödes und einsames Dasein. Wie schon bei Websites gilt: Internetauftritt basteln ist das Eine. Diese zu unterhalten das Andere. Insofern gilt es, bei jeder Integration eines neuen Kommunikationskanals konzeptionell vorzugehen. Aber auch das reicht noch nicht aus. Was oft vergessen wird, ist an eine Anpassung der Firmenprozesse zu denken. Speziell, wenn man von sozialen Kanälen spricht, dann kommen sehr oft neue Zielgruppen hinzu, die mit geeigneten Inhalten und der richtigen Tonalität angesprochen werden müssen. Auch hier heisst es wiederum… Prozessanpassung ist das eine, kulturelle Veränderung das andere. Kann und will die beauftragte Person die Kanäle speisen? Liegt ihr das Medium? Hat sie die Zeit dazu? Passt das Medium zur Unternehmenskultur? Hat es überhaupt Inhalte für die entsprechende Zielgruppe? Kann es Follower, Fans  und Freunde generieren?

«Geschäftsprozessoptimierung» und «Kulturelle Veränderung»… das klingt nun alles nach Konzern und multinational. Das muss nicht zwingend sein, denn auch für mittelständische und kleine Unternehmen lohnt es sich durchaus, die eigenen Kommunikationsprozesse zu hinterfragen. In der Regel gelingt dies allerdings bloss mit einer kritischen Begleitung (Business Coaching), welche die richtigen Fragen stellt, damit das Vorgehen des Unternehmens spiegelt und so eine nachhaltige Veränderung einleitet.

Der langen Rede, kurzer Sinn… Internet und Social Media sind für mich grundsätzlich eher ein «Must Have», denn eine Modeerscheinung. Auch für den Mittelstand. Denn bekanntlich gibt es ja keine Nicht-Kommunikation. Warum dann nicht gleich die richtigen Medien wählen?

Ein quer gedachter Ansatz für Corporate Social Responsibility


Heute schreibe ich über ein System, in dem automatisierte Veränderung seit je her eine Selbstverständlichkeit ist. Die Natur. Keine Angst… ich verfalle nicht in esoterisches Geschreibe. Ein wenig Philosophisches und Systemisches hingegen darf durchaus Platz haben… Die Bionik, die evolutionäre Vorgänge der Natur untersucht und in die Technik überträgt, hat schliesslich mittlerweile mehr als nur einen wissenschaftlichen Anstrich. Darum nehme ich die Natur im Allgemeinen und Laubbäume im Speziellen als Metapher für das moderne Wirtschaftsleben.

Was hat ein Laubbaum mit einer Firma zu tun?
Der Sommer ist vorbei, die grünen Blätter werden nicht mehr ausreichend mit Wasser versorgt, sie werden allmählich gelb, dann rot, um schliesslich ganz abzufallen. Und im Frühling das Gegenteil. Ein automatischer Prozess, der einsetzt, sobald die Umgebungsbedingungen sich stark verändern. Gefallene Blätter erfüllen für das System Baum eine weitere Aufgabe. Sie übernehmen eine Düngefunktion, um den Baum im Frühjahr gestärkt wieder «auferstehen» zu lassen.

Jetzt wechsle ich den Schauplatz und gehe in die Wirtschaft. Ich stelle mir vor, das Ökosystem Baum stelle die Unternehmung dar. Die Blätter sind die Mitarbeitenden. Den nährstoffreichen Sommer stelle ich als Phase der Hochkonjunktur dar. Und den eisigen Winter als Rezession.

Beim Baum fallen in der «Krisensituation» die Blätter, beim Unternehmen werden Stellen gestrichen. Welche Aufgabe übernehmen die überzähligen Mitarbeitenden für das System Unternehmung? Während das gefallene Blatt eine konkrete Aufgabe übernimmt, müssen ehemalige Mitarbeitende eine neue Stelle finden. In der Natur-Metapher würde dies heissen, das gefallene Blatt sucht sich einen neuen Baum. Egal ob Hochkonjunktur oder Rezession. Egal ob Winter oder Sommer. Schwierig zu verstehen, nicht wahr?

Düngemittel für das eigene Unternehmen
So gesehen, müsste man ein System erdenken, das (oftmals hoch qualifizierte) Mitarbeitende nicht einfach dem freien Arbeitsmarkt überlässt. Die ehemaligen Mitarbeitenden sollten in einem Subsystem tätig sein, das sich mit der Stärkung des Unternehmens befasst. Ein System, das Entwicklungsaufgaben übernimmt, so dass die Firma in dem Moment, wo die Konjunktur wieder anzieht, bereit für einen Wachstumssprung ist. Wieso sollen die Mittel eines Sozialplans plus jene Mittel des Arbeitslosengeldes nicht in einen Spinoff fliessen, wo Mitarbeitende zu reduzierten Salären weiterarbeiten können. So lange, bis sie entweder eine neue Anstellung haben oder wieder im «Regelsystem» Unterschlupf finden. Dass der Denkansatz nicht gar so quer ist, zeigt die Fa. Merck, die nach der Schliessung der Genfer Zentrale von Serono bis zu 30 Mio. Euro in Startups und Spinoffs stecken will.

Die Realität sieht heute in der Regel anders aus. Weniger Mitarbeitende müssen stetig mehr Arbeit in kürzerer Zeit erfüllen. Das wäre in etwa dasselbe, wie wenn ein möglichst grosser Baum mit so wenig Blättern wie möglich, einen Sommer aushalten müsste, der lieber acht als bloss sechs oder sogar vier Monate dauert. Dieser Baum wird mittelfristig kaum überleben.

Soziale Unternehmensverantwortung
Insofern gesehen, bin ich – obwohl ein überzeugter Anhänger des «Laissez Faire» – ein ebenso überzeugter Anhänger einer gesunden Corporate Social Responsibility (CSR). Einer Verantwortung, die Unternehmen über ihre gesetzlichen Pflichten hinaus übernehmen. Erst eine Grundeinstellung, die den Prinzipien einer vernünftigen CSR entspricht, ermöglicht eine nachhaltige Unternehmensentwicklung. Auch im Sinne der langfristigen Umsatz- und Gewinnsicherung. Ein Sozialplan für entlassene Mitarbeitende würde in diesem Fall nicht bloss heissen, diesen bspw. das Salär zwölf statt nur drei Monate zu zahlen. Es würde heissen, das Prozess-, Markt- und Produktwissen (im weitesten Sinn) im eigenen Unternehmen zu halten. Das wäre echte soziale Unternehmensverantwortung. Ohne den Aspekt der Umsatz- und Gewinnoptimierung komplett aus dem Blickwinkel zu verlieren.

>> Wissenschaftlicher Artikel aus der «Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik» zum Thema «Corporate Social Responsibility»

Ratingagenturen vs. Crowdrating

Crowdrating ist nichts Neues. Seit Jahren bewertet die Masse bereits Hotels und Urlaubsziele. Beispielsweise auf dem Bewertungsportal von holidaycheck. Ich persönlich habe mit den Bewertungen sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich habe über die Jahre gelernt, die Einträge «zu lesen». Notorische Schwarzmaler von «guten» Bewertern auseinander zu halten. In diesem Zusammenhang ist es sicher korrekt, wenn man sagt: Die Masse liegt immer richtig.

Ratingagenturen beherrschen das System
Das Prinzip der «Crowd« setzt sich also auch im Bereich des «Bewertens» immer mehr durch. Bei Unternehmen, Banken und Staaten hat das System bisher gar keine Verbreitung. Die grossen amerikanischen Agenturen wie «Moody’s», «Standard & Poor’s» oder «Fitch» teilen sich den Markt fast unbedrängt. Nach der letzten grossen Finanzkrise, bei der genannte Agenturen zweifelsohne eine unrühmliche Rolle spielten, wurde der Ruf nach einer europäischen (Gegen-)Agentur immer lauter. Die Beratungsfirma Roland Berger nahm sich des Themas an und versucht, ein europäisches Pendant zu den grossen amerikanischen Agenturen aufzubauen. Bisher ist das Experiment nicht gelungen. Wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) vor Kurzem berichtete, läuft das Experiment gar Gefahr, eingestellt zu werden.

Crowdrating ist neutraler
Ist die Zeit nicht gekommen, ein Modell zu entwickeln, das unabhängiger ist? Ein Modell, das eine bestimmte Anzahl an relevanten Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen direkt betroffene Stellen miteinbezieht. Ein Modell, bei dem der Medianwert als das Mass gilt. Damit kann der «Rattenfänger von Hameln-Effekt» (die Masse kann sich von zu viel schlechten oder guten Bewertungen anstecken lassen…) weitgehend ausgeschaltet werden. Direkte Abhängigkeiten und Mauscheleien werden schwieriger und das Bewertungssystem wird wesentlich fairer und damit letztlich aussagekräftiger. Ein Schritt in diese Richtung wird von der Bertelsmann-Stiftung präsentiert. Die Ratingagenturen sollen nicht gewinnträchtig sein und von Unternehmen sowie Staaten alimentiert werden. Interessanter Denkansatz!

Promotoren vs. Gegner und Verhinderer
Das bestehende System wird sich mit aller Macht gegen solche Reformen wehren. Es hat zu viel zu verlieren. Als Change Manager ist es für mich immer wieder spannend und traurig, zu beobachten, wie 80 oder 90 % der Masse von einem Systemwechsel profitieren könnten. Es aber nicht gelingt, einen Wechsel zu erzwingen, da die verbleibenden 10 oder 20 % sich erfolgreich gegen einen Systemwechsel zu wehren wissen. In der Theorie des Veränderungsmanagements gibt es die sogenannte Akzeptanzmatrix (nach Mohr et al. 1998). Diese Matrix besagt, dass in jedem Veränderungsprozess ca. 15 % Gegner anzutreffen sind. Sie besagt zudem, diese 15 % nicht unmittelbar in den Prozess miteinzubeziehen, da sie nur durch Erfolge zu beeinflussen sind. Und Erfolge gibt es bekanntlich erst vorzuweisen, wenn der Systemwechsel relativ weit fortgeschritten ist. Lediglich die Promotoren, die rund 5 % ausmachen, sollten von Beginn an Bord sein. Wer sind diese Unterstützer? Potentielle Promotoren sind Unternehmen und Staaten, die von neutraleren Crowdratings profitieren könnten. Diese gilt es, an Bord zu holen. Hierbei könnten Think Tanks, welche direkten Zugang zu Regierungsstellen und Konzernleitungen haben, Vorreiterrollen einnehmen. Oder Institutionen wie das World Economic Forum.

Das alles mag nach Revolution klingen. Irgendwie ist es das auch. Doch grosse Veränderungen sind immer entstanden, wenn Regeln gebrochen wurden. In diesem Kontext hiesse es also, dass die Regeln der grossen Ratingagenturen gebrochen werden müssten. Die Zukunft wird zeigen, wer letztlich die Oberhand bekommt. Die machtvollen Ratingagenturen oder die Crowd.

>> Blueprint for an international Credit Rating Agency (PDF)

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